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Mein Wettergott
Eine kurze Liebesgeschichte

Donnerstag, 12.02.09

Ich liebe ihn. Ich kenne ihn zwar erst seit drei Tagen, aber das spricht nicht dagegen, ihm mein Herz zu schenken. Wenn er lacht, geht für mich die Sonne auf. (Auch wenn ich ihn erst zwei Mal habe lachen sehen.) Wenn er meinen Namen ausspricht, springt mir fast das Herz aus der Brust. (Auch wenn ich meinen Namen erst einmal aus seinem Mund gehört habe.)

Kennengelernt habe ich ihn auf einer Busfahrt, früh morgens vermutlich noch mitten in der Nacht.

Ich steige  aus der Kälte und der Dunkelheit in den noch dunkleren Bus, die Frisur vom Schnee ruiniert, mit laufender Nase. Ich suche mir einen Fensterplatz, versuche gerade, eine Seite in der Gratiszeitung mit nassen Handschuhen umzublättern (unmöglich!), als er sich neben mich setzt. Ich werfe einen kurzen Blick auf ihn und spüre sogleich, wie mir das Blut in den Kopf schiesst. Mensch, wie gut der aussieht! Dieses Gesicht, diese Lippen, diese grossen, schönen Hände.
Demonstrativ schaue ich aus dem Fenster, lasse meine Haare wie einen Vorhang nach vorne fallen, um meinen hochroten Kopf zu verdecken. Ich klammere mich an meiner Handtasche fest, als mir genau in diesem Moment die Zeitung aus der Hand unter seinen Sitz fällt. MIIIIISSSTTT!

BIIITTTE, heb sie nicht auf, lass sie liegen, ist doch egal, du darfst mir nicht ins Gesicht gucken, meine Schminke ist vom Schneesturm verlaufen, ich hab sie gelesen, ich brauch sie sowie-

„Hier.“

Elegant greift er unter den Sitz und reicht sie mir.
Spontan beginnt er ein Gespräch (über das scheussliche Wetter), doch er muss schon an der übernächsten Station aussteigen. Doch er bleibt GOTT SEI DANK nicht eine dieser Busbekanntschaften, die ich minutenlang sabbernd angegafft habe, bevor sie ausgestiegen und wohl für immer aus meinem Leben verschwunden sind, nein – vor dem Hinausgehen bittet er mich um meine Handynummer und MSN-Addy.

In der Schule schalte ich SOFORT mein Handy ein, platziere es mitten auf dem Pult, wo es jederzeit unter meiner Beobachtung steht, während mir noch seine weiche Stimme in den Ohren hallt. „Mann, es ist ech‘ scheisskalt drauss’n.“ Ach…

Den ganzen Tag über kann ich mich nicht konzentrieren und halte es kaum bis zum Ende des Unterrichts aus. Dann spurte ich nach Hause, lade sofort den halbvollen Akku ganz auf, maximiere die Ruftonlautstärke und lasse das Handy nicht aus den Augen. Sofort melde ich mich beim MSN Messenger an, muss aber enttäuscht feststellen, dass er mich noch nicht hinzugefügt hat.

Was weiss ich überhaupt über ihn? NICHTS. Dass ihm dieser Schnee auf die Nerven geht. Toll, mir auch. Und dass er Regen auch hasst. Ja, ich auch. Und dass er findet, dass es draussen kalt ist. Das findet jeder.

Je später der Abend, desto schlechter meine Laune. Wieviele Male rufe ich mich selbst auf dem Handy an, nur um mich zu vergewissern, dass es wirklich funktioniert. Habe ich wohl beim Hinausgehen noch was Peinliches gesagt!? Hat er sich an meine Zahnlücke erinnert?? Habe ich wohl in aller Aufregung meine eigene Nummer falsch geschrieben!!?

Der Tag geht zu Ende, meine Laune ist definitiv im Eimer, der nächste Tag in der Schule die reinste Qual.

Na und, dann meldet er sich halt nicht. Eigentlich ist er gar nicht so toll. Vermutlich total eingebildet und genauso ätzend wie die anderen. Ich kann ihn nicht leiden.

Ich finde mich schon mit dem Gedanken ab, dass das nichts mehr wird. Und dann logge ich mich am Abend im MSN an – und siehe da, er hat mich hinzugefügt! Er ist ONLINE! Er ist so toolll! Ich liebe ihn! Ich bin also jetzt auch online, begutachte seinen simplen Nick, während ich darauf warte, dass er mir schreibt. Schliesslich ist es ungeschriebenes Gesetz, dass derjenige, der vorher online ist, auch als Erster schreibt. Ihm ist schliesslich in einem kleinen Fensterchen mitgeteilt worden, dass ich mich angemeldet habe!!

Sein Männchen ist GRÜN!! Er MUSS mich jetzt sofort anschreiben!!! SOFORT!!! Wäre sein Status auf „Beschäftigt“, könnte ich es noch verkraften. Vielleicht wäre er da gar nicht am Computer. Vielleicht würde er sich etwas aus dem Kühlschrank holen. Vielleicht wäre er auf dem Klo.  Aber sein MSN-Männchen leuchtet tiefgrün in die Welt hinaus und er schreibt mir nicht…! AAHHH! Was ist denn das für einer! Ich hasse ihn! Der kann mir doch gestohlen bleiben, paah! Sein Anzeigebild ist sowieso tota-

DIIIING! Ein Fenster blinkt auf! Er schreibt „hey“. Ich schreibe zurück. Gott, wie toll er doch ist. So einfühlsam. Höflich. Liebenswert. Ich kann nicht genug von ihm kriegen!

Wir schreiben uns. Und meine Gefühle beginnen zu verpuffen. Puff. Puff.  Bis sie ganz weg sind.

Einer, der „kuckst“, „totall“ und „weist du“ schreibt, kann mir echt gestohlen bleiben. Da kann er noch so schön sein. Dabei ist er gar nicht so schön. Seine Nase ist krumm. Und seine Frisur steht ihm echt nicht. Ach, was für ein Versager…

Jetzt liebe ich ihn also nicht mehr. Tja.

Dann muss ich mir wenigstens nicht für morgen über ein Liebesgeständnis Gedanken machen.


13.2.09 19:02
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Desi / Website (16.2.09 11:14)
Hihi, das ist so toll! Würde mir übrigens genauso gehen. Und Deine Art zu schreiben ist phantastisch. Immer wieder ein Genuß.

Liebe Grüße,
Desi.


Mana (17.2.09 15:15)
XD Das ist ja mal genial...

Jaja, was Äusserlichkeiten so anrichten können, ne? ^^


Svenja / Website (15.7.09 15:32)
Hahaha! xD
Das ging mir auch schon oft so! So schnell verpuffen die Gefühle. Dabei wünsche ich mir doch bloß einen gutaussehenden (größer als ich, dunkle Haare), klugen, humorvollen Mann mit vielversprechenden Zukunftsaussichten, der Geduld mit mir hat, zuhört und tiefgründige Gedanken mit mir teilt... kann doch nicht so schwer sein! Die Augenfarbe wäre mir ja auch egal... xD

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