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GRRIINNNPIIIS

Jeden Morgen eine gefühlte Ewigkeit mit dem Bus zu pendeln hat eine einzige positive Seite: Man sieht und lernt verschiedenste Menschen mit all ihren Eigenheiten kennen.

So steigt jeden Morgen an derselben Haltestelle eine kleine Gruppe Zehnjähriger ein, die mit ihrer Präsenz und Lautstärke scheinbar den ganzen Bus füllt und mir sowas von auf die Nerven geht, dass ich jedem dieser frühpubertären Knirpse eine scheuern könnte. Wie aufgedreht stürmen die herum, pöbeln sich gegenseitig an, lassen Bushido-Sound in voller Lautstärke auf ihren Luxus-Handys durch den ganzen Bus dröhnen und verwenden in jedem Satz mindestens einmal das Wort „wiikkssaa“.

Dabei kann ich mich mit Sicherheit sagen, dass weder ich noch andere Gleichaltrige uns mit zehn so verhalten haben. Gestern haben sie dann noch einen drauf gesetzt: Kaum waren diese kleinen Monster eingestiegen, rief auf einmal einer von ihnen: „Komm, wir spielen das Fi**-spiel!“, woraufhin sie angefangen haben wie Durchgeknallte rumzustöhnen und dabei noch ihre primitive Rapmusik zu übertönen, mit der sie anscheinend später sogar im Chor gestöhnt haben.

Doch nicht nur frühreife „Gangstas“ sind mir aufgefallen, sondern vor etwa zwei Wochen auch ein ziemlich unscheinbarer, leicht verstört aussehender junger Mann, der abseits von allen allein mit einem Riesenstaubsauger auf dem Schoss sass. Als schliesslich eine ältere Dame mit wehendem Pelzmantel ausgestiegen war, begann er mit seiner Predigt durch den ganzen Bus: „JAAA FÜRCHTERLECH! FÜRCHTERLECH! WAS ISCH’N DAS! DIESE ALTN FUUZZIIS SIND’S IMMA DIE SECH MIT TIERRRNN AUSSCHMÜCKN UN DANN RUMSTOLZIERN! SIND SE STOLZ DRAUF ODA WAAS?
Jaaaah, dann sagn sie da, imma die Jugend, ne, aba eigentlech sind siiie’s. SIIIEE. Joooa ech kann von mia behauptn, ich war vorbildlech, hab nie was getan, hab nie’n Auto g’habt, hab imma für „GRRIINNPPIIIS“ gespendet, aba unsre Gesellschaft iss für’n Arsch, FÜR’N ARSCH SAG I EUU!“

Nicht nur, dass er seine Meinung so öffentlich unbekannten Leuten ins Gesicht schreien musste, nein; er hat sich schliesslich auch erhoben und ist, in inniger Umarmung mit seinem Staubsauger, ist durch den halben Bus gewatschelt und hat die Leute gefragt, ob sie denn finden, dass er ein „vorbildleche Mensch“ ist.

Heute aber hat sich noch eine Frau mit ihrem Kleinkind in mein Gedächtnis der eigenartigen Buspersönlichkeiten gebrannt. Da kam sie also, ganz im „Bio-Look“ mit Strohfrisur und farbenfroher Kleidung, mit einem etwa sechsjährigen Knaben, der eine Tüte in der Hand hielt. Bevor der Kleine sich setzen konnte, breitete sie zunächst eine Art Betttuch auf dem Sitz aus, weil diese Sitze ja „unglaublich dreckig“ sind und man ja nicht weiss, welcher „Infizierte“ vorher da drauf gesessen ist. (Was haben die Leute gegafft… ) Also setzte sich der Kleine, der ironischerweise einfach nur zum Knuddeln war, mit den übergrossen, unschuldigen Augen, und spähte anscheinend hungrig vorsichtig seine Tüte auf, in der wohl ein Sandwich drin war.

Sofort begann die Mutter:
„NEEEIINN, NEEIINN, SPINNST DU!? MAN DARF DOCH NICHT IM BUS ESSEN!! SIEHST DU HIER JEMANDEN ESSEN? SIEHST DU JEMANDEN? NEEIIN, WIE KOMMST DU BLOSS AUF DIE IDEE!? DU BIST ECHT… ALSO… WIE HAB ICH DICH DEN ERZOGEN…“

Da meldete sich eine ältere Frau, die daneben sass, höflich zu Wort:
„Lassen Sie ihn doch essen, ist doch nicht schlimm, tun doch viele.“

„Sonst geht’s noch!!? SONST GEHT’S NOCH!!? WOLLEN SIE MEINEN SOHN VERGIFTEN ODER WAS? WAS FÄLLT IHNEN EIN? NATÜRLICH WIRD ER HIER NICHTS ESSEN!“

Man kann’s auch übertreiben… Wenigstens ist Busfahren nicht (immer) langweilig…

2.3.09 19:20


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