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EuROphorie

Eine schnell selbstverfasste Satire aus dem Schulunterricht:

Anmerkung: Im Grunde bin ich überzeugter Fussballfan, habe bisher kein EM-Spiel verpasst und fiebere mit den Kroaten mit. (Auch gegen Deutschland... nein, VOR ALLEM gegen Deutschland!) Die Kommentare über die Schweizer Fussballer mussten einfach sein.)

Wieder ist die Zeit gekommen, in der überbezahlte und nicht besonders mit Intelligenz gesegnete Millionäre in kurzen Höschen einem Ball hinterherhecheln, der von chinesischen Kindern in fürsorglicher Zwangsarbeit gefertigt wurde – und ganz Europa dreht durch.

Die Euro nahm hier bereits mit den Autofähnchen seinen Lauf; mit den Leuten, die sich, durch mangelndes Selbstwertgefühl bedingt, ein Stückchen Stoff bzw. die Schweizerfahne an die hintere Seitenscheibe am Auto klemmen und jetzt den Nationalstolz raushängen lassen, als ob die Schweiz fussballtechnisch irgendeine Grösse wäre.

Dabei könnte man die Fähnchen nach der ersten Niederlage ja gleich stecken lassen; obwohl, im Fussball gibt es keine richtigen Misserfolge – schliesslich verliert man ein Spiel ja nur wegen dem „Scheiss“-Schiedsrichter, der IMMER für die anderen pfeift. Demnach ist sowieso alles „furchtbar ungerecht“, den Sieg hätte man ja verdient gehabt, die Nation verfällt in eine Depression und zum Schluss sind wir ja alle „Sieger der Herzen“. Aber wieso die Schweizer es nicht mal schaffen, im eigenen Land den Schiedsrichter zu bestechen, ist auch fraglich...

Dabei spielt dieser Schiedsrichter im Spiel eine sehr wesentliche Rolle und entscheidet oft über Sieg und Niederlage. Daher ist es Aufgabe der Spieler, sich möglichst vor den Augen der Schiedsrichter so fallen zu lassen, dass es so aussieht, als habe ihn ein gegnerischer Spieler schwer verletzt. Am besten ist es dabei, zu allererst einen Schrei von sich zu geben um auf sich aufmerksam zu machen, und sich dann mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen zu wälzen, während man ein Bein umklammert hält. Danach wird abgewartet, bis der Schiedsrichter den Gegenspieler bestraft. Mit der Bestrafung des Gegners wird man schliesslich wie durch ein Wunder von seinem Leiden erlöst, obwohl man vorher ja halb am Sterben war. Richtig geübte Spieler humpeln danach noch ein wenig, damit es so aussieht, als ob sie wirklich verletzt seien. Und die RICHTIGEN Profis, wie bsp. Alex Frei, können sogar auf Kommando ein paar Tränchen vergiessen, damit dann das ganze Land mitheulen kann.

Foult man jedoch einen Gegenspieler wirklich so, dass dieser blutüberströmt am Boden liegt und die Knochen nur so hinausragen, und man auch noch weiss, dass es der Schiedsrichter genau gesehen hat, so lässt man sich vor diesem auf die Knie fallen, faltet die Hände zusammen und schwört bei allem und jedem, das man nichts getan hat. Wenn man trotz aller Bemühung dennoch rot kriegt, kann man getrost auch noch dem Schiri eine reinhauen...

Dabei macht es einen guten Eindruck, den Rasen möglichst oft mit Spucke zu wässern. Nicht zu vergessen sind die alten Männer mit Bluthochdruck in Anzügen mit ziemlich wenigen Haaren am Spielfeldrand, die die ganze Zeit mit wutverzerrten Gesichtern herumspringen und alle anschreien. Man nennt sie gelegentlich auch Trainer.

Und was wäre die Euro und der Fussball allgemein, wenn ihm nicht so viel Beachtung geschenkt werden würde; so müssen immer alle Fernsehersender die Spiele zeigen und nachher auch sowas wie eine „Spiel-Analyse“ machen, die dann doppelt so lange dauert wie das Spiel selbst...

Es sind ja nur noch 18 Tage.

Kommentar von Frau M.*: "*******, die Tränen waren ECHT!!!"

11.6.08 18:06


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"kebabarmer" Nachwuchs

Freitag Abend, kurz nach elf, Publicviewing-Zone im Herzen der Stadt, fest in kroatischen Händen. Ein wahres Familienfest, Konfrontation der Generationen; von Eltern mit bereits schlummernden Kindern bis zu biersaufenden Jugendlichen und genervten älteren Herren.

119. Minute – Klasnic trifft zum 1:0, der Mann mit der Spender-Niere seines Vaters, dem man so einen Treffer am meisten gönnen würde – der ganze Platz wird von einem kollektiven Freudentaumel erfasst, der gerade mal zweieinhalb Minuten dauert, bis schliesslich die Türken in der scheinbar allerletzten Sekunde ein Tor schiessen – die Ernüchterung folgt, von weit her hört man türkische Fans grölen.

Da werde ich plötzlich auf Zwillinge vor mir aufmerksam, schätzungsweise sieben, acht Jahre alt, mit kroatischen Trikots, die ihnen bis zu den Knien reichen. Im Gegensatz zum Rest der Leute machen sie ihrem Ärger nicht mit Fluchen Luft, sondern glänzen schlicht mit ihrem „Fachwissen“.


A: „Dieser Schirii ist aber blöööd..“
B: „Jaa er streitet sich mit dem Trainer..!!“

A: „Jaa, ds darf er aber nicht...“
B: „Du hast KEINE AHNUNG, der Schiri hat den Trainer zuerst ’angepufft’!“

A: „Jaa, aber der Trainer hat ja recht!“
B: „Wiesoo?“
A: „Weil sie haben das Tor erst gemacht als es schon 121 Minuten und 04 waren, und ich hab von 10 runtergezählt bis 0 und das war schon vorbei, und dann hat er erst das Tor gemacht, deshalb gilt es gar nicht.“
B: „Dieser Schiri ist wirklich blööd...“

A: „JAA, DAS HAB ICH ZUERST GESAGT!!“

Anschliessend nimmt das Penalty-Elend sein Ende, Totenstille in der Fanmeile, erste türkische Fans hupen von weit her, grenzenlose Enttäuschung. Als auf dem Riesenbildschirm einige Spieler in Tränen ausbrechen, können sich eine Menge Fans diese auch nicht mehr zurückhalten. Bloss einer der Kleinen vor mir wickelt sich seine Fahne um den Kopf und meint:

A: „Icchh schwöre, ich esse niiiiiiiieeeee wieder Kebab.“

B: „Ich auch nicht.“

A: „NNhhhhh, du kannst gar nix sagen, du hast noch nicht mal einen gegessen...“
B: „DOOOCHH, ICH HAB SEHR WOHL SCHON EINEN GEGESSEN!“

A: „JAAA, das im McDonalds was du Kebab nennst ist gar nicht Kebab...“

B: „JA ICH MEINE NICHT DEN, SONDERN EINEN GAAAAAAANZ ANDEREN!“
(...)

Danke Deutschland. Möglicherweise können einige ihren Kebab bereits wieder geniessen.

26.6.08 19:01