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bunterkunt

Nachdem meine Pultnachbarin in einer ermüdenden Kunstdoppelstunde eine sehr vernichtende Kritik bekommen hatte, wollte sie einen neuen Versuch wagen und versuchen, die Aufgabenstellung diesmal zu erfüllen.

So begann sie, sich im Vorfeld alle Farben aufzuschreiben, die sie brauchen wollte, um sicherzugehen, dass sie am Ende genug Kontraste in ihr Bild eingebaut hatte.

Während sie sich also daran machte, eine ellenlange Liste von allen möglichen Farben zu erstellen (während ich mich fragte, was das für ein buntes Wirrwarr werden sollte), malten wir alle munter an unseren 'Kunstwerken' weiter. Es schien sie jedoch zu irritieren, dass sie die Einzige war, die über einem Blatt Papier brüten und sich gewisse Farben notieren musste.

Schliesslich lastete auch noch ein zusätzlicher Druck auf ihr – sie konnte immer noch nicht verkraften, dass ihre letzte Arbeit, die sie im Nachhinein zu Hause fertiggestellt hatte, von den anderen mit «Deine Mama kann aber schön zeichnen..!» kommentiert worden war.

So ging das allerhöchstens zwei Minuten, bis sie das alles in ihrer Verzweiflung und leichter Hyperaktivität nicht mehr ertragen konnte und mich wieder anzustupsen begann. (Gott sei Dank fuhr ich gerade nicht mit dem Pinsel übers Blatt, sonst hätte das noch böse enden können.)

Sie: «Maaaannnn...»

Pause.

Sie: «MMMaaaaaannnnnn...»
Ich: «Was jetzt!?»
Sie: «Erstens, du musst dich umdrehen, wenn ich dich anstupse und 'Maaannn' rufe und zweitens, mir fallen keine Farben mehr ein. Sag mir ein paar, los!»
Ich: «Jaaah, ich kann dir hier nicht wahlos Farben nennen, ich weiss gar nicht, was du malen willst...»
Sie: «Jaah, das weiss ich auch nicht.»
Ich: «Ach, und dann wirst du einfach versuchen, all diese Farben in einem Bild unterzubringen oder wie?»
Sie: «JJAaaaah, ich brauch jetzt aber VIELE gute Farben und VIELE gute Kontraste!»
Ich: «Was heisst hier 'gut'?»
Sie: «AACHHHH, hilf mir, du ********, guck mal wie weit du schon bist, und dann laberst du mir hier so blödes Zeug...»
Ich: «Okkayy, ruhig, also... zeig mal was du schon hast.»

Sie schmeisst mir ihr Blatt rüber, welches ich gleich überfliege und schon ziemlich grinsen muss.

Ich: «Was ist denn bitteschön 'stimorolgrün'?»
Sie: «Das ist das Grün da von der grünen Stimorol-Packung.»
Ich: «AAHHH... und 'orangenorange'?»
Sie: «Orange wie 'ne Orange, und nicht irgendwie dieses hässliche hellorange oder so...»

Ich: «Okay, aber du weisst, dass sie wieder meckern wird, wenn du ihr so 'ne Liste zeigst... Du sollst den Farben nicht eigene Namen geben. Und Terracotta hast du falsch geschrieben... Aber sonst ist's gut.»
Sie: «EJJ, was juckts mich, was die Frau da denkt..? Und du musst auch aufhören zu klugscheissern...»
Ich: «Ich staune ja selber drüber, wieviele Farben du kennst... Sogar eine, die ich nicht kenne...»
Sie: «Wirklich? Welche?»
Ich: «Porto... Was ist denn das für eine?»
Sie: «Du weisst nicht, was PORTO ist?»
Ich: «Äh, also ich kenns nur als Stadt, aber ich hab keine Ahnung, was das für eine Farbe sein könnte...»
Sie: «JAAAAAHH, ENDLICH WEISS ICH MAL WAS, WAS DU NICHT WEISST!»

Die Leute drehen sich zu uns um, die Lehrerin bittet uns, möglichst still weiterzuarbeiten.

Ich: «Schön, und was ist das jetzt für eine Farbe...?»
Sie: «So ein Rot...»
Ich: «Hmm... hell, dunkel..?»
Sie: «Ziemlich dunkel, so wie weinrot...»

In diesem Moment hat's bei mir so richtig 'KLICK' gemacht, und dann konnte ich mit Grinsen wirklich nicht mehr aufhören...

Sie: «WAAAS, WASSS JETZT?»
Ich: «Ach, Mensch, das heisst auch ganz anders...»

Ich schreibe es ihr aufs Blatt.

Ich: «Das soll BORDEAUX heissen, nicht?»
Sie: «Ejj, was ist denn das jetzt für'n Stuss, ich mein schon die FARBE, ja?»
Ich: «Jaah, die Farbe heisst bordeaux und nicht anders...»
Sie: «Ah, wirklich?»
Ich: «Jaaah.»
Sie: «Ahh, scheisse... JETZT GIB MIR 'NEN GUMMI, ICH MUSS DAS JETZT AUSLÖSCHEN!»

So nahm ein langer Dienstag doch noch ein einigermassen vergnügliches Ende.

4.3.08 17:12


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Mittagsdesaster

Normalerweise gibt es nur etwas Positives an der Geografiedoppelstunde donnerstags; und zwar, dass gleich danach eine zweistündige Mittagspause angesetzt ist. Wenn jedoch der Lehrer mal wieder findet, er müsse seine Erklärungen noch weiter ausführen, obwohl die halbe Klasse schon ihre Sachen zusammenpackt und die andere Hälfte entweder kichert, schwatzt oder die Pulte anmalt, dann wird selbst der Anfang der Mittagspause reichlich unangenehm. Es bringt nämlich nichts mehr, wenn man wie irre die Treppe runterrennt und sich in der Kantine schnell ein Tablett schnappt, wenn die Schlange bis sonstwo reicht und man sich nicht nach vorne schmuggeln kann, da Mr. Ich-darf-alle-überholen-aber-mich-niemand-Chemieprofessor mal wieder da ist und alle böse anfunkelt, die auch nur in Erwägung ziehen, sich kurz nach vorne zu der einen 'Kollegin' zu drücken, die einem ja immer den Platz freihält...

So beginnt auch schon die zehnminütige Warterei, die einem mit leerem Magen mindestens doppelt so lange vorkommt. Als ich endlich kurz davor bin, mir mein Essen zu holen, werden mir zwei munter schwatzende Damen vor mir zur nervlichen Zerreissprobe.

Koch (oder was auch immer): «Ja, bitte?»
M. 1: «Ja, was jetzt?»
M. 2: «Du musst besstteellöööönn.»
M. 1: «Achh soo... ja, weisst du, bei uns ist das ganz anders... Da muss man erstens nie so lange anstehen und zweitens nicht so hetzen... also... was gibt es denn überhaupt?»

Mal abgesehen davon, dass sie bestimmt fünf Minuten lang beim Schwatzen mit ihrer Kollegin auch einen Blick nach rechts auf die ausgestellten Menüs hätte werfen können, ist das wohl ihre einzig halbwegs berechtigte Frage geblieben.

M. 2: «Weiss ich auch nicht... Ah, warte, guck dort...»
M. 1 (zu einem Burschen weiter hinter mir): «DUUUU, geh maaa' weg, ich will guucckk'n was es giibbtt...»

Der Kerl geht kurz beiseite und lässt sie kurz draufspähen.

M. 1: «AAHH, dann nehm ich mal die Gemüselasagne, bitte.»

Der Koch klatscht ihr ein Stück auf den Teller und reicht ihn ihr.

M. 2: «Ich nehm auch die La-«
M. 1: «IIIhh, was ist denn das für'n Stück, davon wird ja keiner satt..!!?? Bei uns kriegt man wenigstens auch genug, damit man nachher nicht mehr hungern muss!! SIIIIEEE, ich hätte gern noch mehr davon!!»
Koch: «Das geht leider nicht, das sind vorgefertigte Stücke, und ein zweites kann ich dir jetzt nicht geben. Aber wenn nachher noch was übrig ist, kann man immer nachholen kommen.»
M. 1: «Wasss? Neee, dann nehm ich doch lieber das andere!»

Der Koch greift sich genervt ihren Teller und will ihr das andere Menü geben, während ihr ihre Freundin etwas ins Ohr flüstert und sie es sich doch wieder anders überlegt.

M.1: «Neee, NEEE, warten Sie, ich nehm doch die Lasagne!»

So kriegt sie also einige böse Blicke und ihren alten Teller wieder. Ich bestelle mir mein Gericht, während die liebe Madame nun dort angelangt ist, wo sie sich entweder einen Salat oder ein Dessert schnappen soll, das im Preis inbegriffen ist. Sie stellt sich also gleich einen Mischsalat und ein Schokoladenmousse aufs Tablett.

M. 2: «Duu, hast du genug Geld dafür?»
M. 1: «Jaa, wieso?»
M. 2: «Du kriegst nur ENTWEDER einen Salat ODER ein Dessert dazu, aber nicht beides. Das Eine musst du dann noch zusätzlich bezahlen.»
M. 1: «Wassss? Nee, nich' im Ernst, odaa? Bei uns kriegt man IMMER beides dazu..! Ist doch vollkommen selbstverständlich... Oh Mann, was is'n das für 'ne Kacke...»

Genervt stellt sie ihren Salat wieder zurück.

M. 1: «Oder nee, warte, ich will doch lieber den Salat... will heute nicht so ungesund essen, ne?»

Also nimmt sie sich wieder ihren Salat und stellt das Mousse zurück, indem sie jedoch schon mit dem Löffel rumgemischt und auch ein wenig probiert hat. Das entgeht einem zweiten Koch natürlich nicht, als er gerade daran vorbeischreitet:

»SIIE, nee, das können Sie nicht zurückstellen, wenn Sie es schon angefasst haben! Das müssen Sie jetzt nehmen!»

M. 1: «WAAAS!? Eyy, nee, sowas werd' ich mir nicht gefallen lassen... Das ist doch..!»

Vollkommen ausser sich schmettert sie wieder die Salatschüssel zurück und schnappt sich ihr Mousse.

M. 1: «Eure Kantine ist echt beschissen... total.. ich komm nie wieder hierher...!!»
M. 2: «Na ja, ist eigentlich halb so schlimm... Musst dich halt nur daran gewöhnen, dass es hier ein wenig anders bei euch ist...»
M. 1: «Ein wenig SEHR ANDERS!!! Was ist denn in diesem Lasagne überhaupt drin?»

Sie beginnt mit ihrer Gabel in ihrem Essen zu stochern.

M. 1: «Spinat!? Ist das SPINAT!?»
M. 2: «Welches? ... Ah, ja, isses...»
M. 1: «OOOHHH MAANN, ich HASSE Spinat! WIESO IST DENN DA SPINAT DRIN, STAND DAS VORHER IRGENDWO?»

Wie gesagt – wer lieber herumalbert anstatt sich mal die Menükarte anzusehen, der hat halt Pech gehabt.

M. 1: «Ich werd das nicht essseeeennnn... du gibst mir nachher von deinem, klar? Oder wir tauschen gleich!»
M. 2 (von der Idee sichtlich nicht angetan): «Öhm.. ja.. du hast ja gesagt, dass du das hier nicht so magst... oder..? Und das ist ja gar nicht so viel Spinat drin... sieht nur wegen dem Käse nach so viel aus...»
M. 1: «KÄSE? Ist da etwa schon REIBKÄSE drin? Aber... neee... bei uns ist das immer so, dass man sich den später selber drauftun kann! Und was machen sie hier? Sie schmuggeln einem einfach Käse rein, JAA, obwohl man den vielleicht NICHT GERN hat...?»
M. 2: «Jaa, also, man kann sich den im Nachhinein auch draufstreuen, aber ein wenig ist da halt schon drin...»
M. 1: «OOOOHHH MAAAANNNNN! Ich ess das GANZ SICHER NICHT!»

Das restliche Rumgeblaber und das ewige Münzenabzählen an der Kasse ist für mich immer noch so belastend, dass es zu schmerzlich ist, noch davon zu berichten.

Ansonsten soll sie nächstes Mal gefälligst in ihrer blöden Kantine bleiben, wenn da ja sowieso alles SO VIEL BESSER ist!!!
7.3.08 11:16


Alle Jahre wieder...

Nachdem mein leicht zerstreutes Tantchen letztes Jahr meinen Geburtstag peinlicherweise vollkommen vergessen und mir kleinlaut eine Woche zu spät gratuliert hatte, wollte sie es wohl dieses Jahr wiedergutmachen und rief überraschenderweise schon heute an – drei Tage zu früh.

Diesmal gab es auch keine Möglichkeit mich vor diesem Gespräch zu drücken, da ich wohl oder übel vor allem in den nächsten Tagen keine andere Wahl haben werde, als all die mehr oder weniger liebgemeinten Geburtstagsglückwünsche entgegenzunehmen.

Ich: «Jaa..?»
Sie: «Ooh, mein *********, wie gehts dir denn? Deine Tante wollte dich nur mal anrufen um dir alles LIIIEEBBEE zum Geburtstag zu wünschen!»
Ich: «Öhh, danke, aber mein Geburtstag ist erst in ein paar Tagen...»
Sie: «Was hast du gesagt, ******?»
Ich: «Ich hab eigentlich erst am Dienstag Geburtstag.»
Sie: «Neeein, meine Kleine, als ich heute im Büro meinen PC hochgefahren habe, habe ich eine Erinnerung erhalten, dass du heute Geburstag hast!»

Also bitte, ich weiss doch wohl selber besser wann ich Geburtstag hab...

Ich: «Dann hast du es wohl falsch eingetragen.»

Stille. Rauschen.

Sie: «NEEEIIIN, das kann nicht sein.»
Ich: «Doch, du hast das falsche Datum eingetragen, heute ist erst der 15..»
Sie: «Aber... warte... neeein, das stimmt nicht, denn hier steht: 15.März - *****, GEBURTSTAG.»
Ich: «Jaa, schon möglich, dass das da steht, aber das stimmt so nicht. Ich hab erst am 18..»
Sie: «Du willst mich wohl auf den Arm nehmen, nicht wahr? Aber mit deiner Tante ist nicht zu spassen, das weisst du schhoooon. Wenn das hier steht, dann stimmt das auch.»

Die Frau macht mich ganz irre. Ich war wirklich kurz davor so zu tun, als hätte ich wirklich Geburtstag, nur damit sie glücklich ist und mich verschont.

Ich: «Neeeiin, ich hab am Dienstag Geburtstag, und du hast das da wohl falsch eingetragen, aber ist ja auch nicht weiter schlimm...»
Sie: «Aber das hab ich da nicht eingetragen, das steht da!»
Ich: «Jaa, dein PC weiss ja wohl nicht von selber, wann ich Geburtstag hab...»

Wieder Stille. Rascheln. Und dann auf einmal...

Sie: «UAHAHAHAHAHHAHAHAHhh, HAT DICH DEIN TANTCHEN REINGELEGT!!!»

Ich erschrecke mich so, dass ich halb vom Stuhl kippe und mich wirklich im letzten Moment noch an der Tischkante festhalten kann.

Ich: «... was jetzt?»
Sie: «NATTTÜÜÜRRLICH weiss ich, dass meine kleine ******* erst am Dienstag Geburtstag hat, aber ich wollte dir schon ein wenig Vorfreude bescheren und wollte natürlich die Erste sein, die dir gratuliert!»

Aha.

Ich: «Ähm... ja... danke.»
Sie: «Naaaa, freust du dich schon auf deinen Geburtstag?»
Ich: «Ähm... ja.»
Sie: «UUUND, hat dir deine Mutter schon 'nen Kuchen gebacken?»

Hier ist anzumerken, dass diese eigenartige Person die Schwester meines Vaters ist und sich nicht ausgerechnet gut mit meiner Mutter verträgt und mich dementsprechend dauernd über diese ausfragt. So stellt sie diese Frage auch bloss, da sie hören will, dass diese mir keinen backt, um einen weiteren Anlass zu haben über meine Mutter zu lästern und ihre Qualitäten als Hausfrau in Frage zu stellen.

Ich: «Noch nicht... aber das wird sie dann schon.»
Sie: «AAHHHH... und was für einen Kuchen wird sie dir denn backen? Oder wirds 'ne groooosse Torte für mein groooosses Mädchen?»

Sie schafft es immer wieder, dass ich mich wie eine Fünfjährige fühle.

Ich: «Das weiss ich noch nicht.»
Sie: «Dann frag sie mal.»
Ich: «Ja, ich werd sie dann fragen.»
Sie: «Ist sie denn nicht da?»
Ich: «Äh... doch.»
Sie: «Dann frag sie.»
Ich: «Äh... sie weiss es noch nicht.»
Sie: «Und wieso weiss sie das nicht..?»

Ich habe plötzlich das eigenartige Gefühl, dass sie sich gerade etwas notiert...

Ich: «Oohhh.. ähmm... mein Vater ist geerraadde durch die Tür gekommen, und ich glaub, er will auch gerade mit dir reden, also... ähm.. danke, byeee...»

Innerhalb von drei Sekunden halte ich meinem leicht verwirrten Vater den Hörer hin und verschwinde in meinem Zimmer.


Es kann sich keiner vorstellen, was für ein überwältigendes Gefühl das ist, so ein Gespräch hinter sich zu haben, und dazu die Gewissheit, dass sie erst in ein paar Wochen wieder anrufen wird.
Wobei ich dann natürlich auch wieder die Möglichkeit habe, mich davor zu drücken.

15.3.08 17:09


Osterfreuden

Wie jeden zweiten Samstagmorgen musste ich mich auch heute wieder aus dem Bett quälen und mich in aller Frühe zum Religionsunterricht schleppen, der hier aufgrund der vielen verschiedenen Religionen nicht mehr an der Schule unterrichtet wird. Stattdessen hat unser kroat. Priester am anderen Ende der Stadt einige gut isolierte Kellerräumlichkeiten gemietet, in denen er bedenkenlos all seine Schüler in der grösstmöglichen Lautstärke anschreien kann.

So wird jede Religionsdoppelstunde zu einem einzigen Desaster – nicht nur, weil sich dort fast ausschliesslich unreife und geistig leicht zurückbliebene, pubertäre Idioten einfinden, sondern auch, weil Samstagmorgen halt einfach Samstagmorgen ist.

Auch der Anfang dieser Stunde versprach nichts Gutes – als der Priester feststellte, dass wohl wieder die Hälfte von uns an einem Samstagmorgen lieber genüsslich ausschlief als sich sein Gesülze anzuhören, begann er mit seinem altbekannten Vortrag über Verantwortung und Unfähigkeit und wollte alle Abwesenden nächstes Mal so richtig in die Mangel nehmen. Bald darauf wechselte er jedoch das Thema, liess uns unsere Bücher aufschlagen und predigte über Gott und die Welt und liess uns von einer Seite zur nächsten blättern.

Irgendwann fiel ihm auf, dass anscheinend alle ihre Hefte, Etuis, Blätter und auch Fingernägel viel interessanter fanden als seine Predigt, so dass er beschloss, alle aus ihrem Halbschlaf herauszuholen.

Er deutete auf einen Kerl, der gerade mit seinem Nachbarn eine hitzige Diskussion führte.

Lehrer: «DUUU!»

Hier ist anzumerken, dass er eigentlich immer alle «DU» nennt, da er die Namen immer durcheinander bringt.

A: «Ich?»
Lehrer: «NEEEIIINN, dein Kollege nebendran!»
B: «Hm?»
Lehrer: «Wenn jemand einen etwas fragt, sagt man nicht «hm»!!!»

Stille.

B: «Ehm.. ja.. bitte?»
Lehrer: «Wie langt dauert die OSTERZEIT!?»
B: «Was?»

Stille.

B: «Ehm... wie bitte?»
Lehrer: «ICH HABE GEFRAGT, WIE LANG DIE OOOOSTERZEIT DAUERT!?»
B: «Ehm....»

B zuckt mit den Schultern.

Lehrer: «AHHH, HERR GOTT NOCHMAL, DAS HABE ICH DOCH GERAAAADE GESAGT! WAS TUT IHR EIGENTLICH, WENN NICHT ZUHÖREN?? DUU, SAG DU IHM WIE LANG SIE DAUERT..»
A: «Ich?»
Lehrer: «Jaa, wer denn SONST JETZT!!?»
A: «Ähm.. ja.. weiss ich jetzt nicht so genau...»
Lehrer: «AHH, VERDAMMT NOCHMAL, SEID IHR EIGENTLICH ZU BLÖD, UM EUCH SO ETWAS ZU MERKEN, HÄ? ÜÜÜBERLEG DOCH MAL, WOZU HAT DIR GOTT 'N HIRN GESCHENKT..!? WANN KÖNNTE SIE DENN ANFANGEN, DIE OSTERZEIT, HM?»
A: «..an... Ostern?»
Lehrer: «JAAAA, FÄNGST' AUCH MAL AN NACHZUDENKEN, HÄ? JAA, UND JETZT WEIIITER, WIE LANG KÖNNTE SIE DENN DAUERN?»
A: «.....weiss doch ich nicht...»
Lehrer: «NEEE, JETZT REICHTS! Ich verzweifel doch hier noch mit euch..! Jaaa, wenn du's nicht weisst, dann ratteee halt..! Bis zu welchem Tag könnte sie denn dauernd, hm? Ist doch auch 'n Feiertag, die müsst IHR KENNEN, VERDAMMT!»
A: «Bis... ähh... Weihnachten..?»
Lehrer: «Weihnachten... WEIHNACHTEN!!? Die OSTERZEIT dauert bis WEIHNACHTEN!?? Seid ihr hier eigentlich komplett bescheuert, hä?»

Stille. Er guckt in die Runde.

Lehrer: «DUU! Dauert die Weihnachts... die Osterzeit bis WEIHNACHTEN!? WEIHNACHTEN!!!?»
C: «Ähm.. nein..?»

Lehrer: «JAA, NATÜRLICH NICHT, MENSCH! HEISST JA AUCH OSTERN UND NICHT WEIHNACHTEN!! Herrgott, wenn ihr schon hierher kommt, dann MACHT WENIGSTENS ETWAS! DENKT NACH! STRENGT EUER VERDAMMTES HIRN AN! Die Osterzeit beginnt an Ostern und endet an PFINGSTEN! FÜNFZIG TAGE SIND DAS, FÜNFZIG! Und der... der kommt mir hier mit Weihnachten... pff... FÜNFZIG TAGE, VON OSTERN BIS PFINGSTEN! DUU, WIEVIELE WOCHEN SIND DAS?»
A: «Ich..?»
Lehrer: «JAA..JJAAAA, DU, EGAL WER! Wieviele Wochen sind fünfzig Tage?»
A: «Ehmm.. vier..?»
Lehrer: «VIER?»
A: «Ehm.. ja..?»
Lehrer: «OOHH, VERDAMMT, WIE KÖNNEN DAS DENN VIER WOCHEN SEIN..?»
A: «Jaa, aber Advent geht ja auch vier Wochen...»
Lehrer: «JAAA, WAS HAT DAS DENN JETZT MIT ADVENT ZU TUN!? Ich will, dass DU RECHNEST! Das ist GANZ – SIMPLE – MATHEMATIK! Fünfzig durch sieben, wieviele WOCHEN!?»
A: «Ähh... aber... das geht ja gar nicht auf..!?»

...

Lehrer: «Aaahh, Mensch, UNGEFÄHR! UNGEEEFÄÄHR!»
A: «Acht... nee... sieben. Sieben und einen Ta-»
Lehrer: «JAAA, SIIIIEEBBEEENNN! SIEEBEN WOCHEN! Die Osterzeit dauert sieben Wochen! Fängt an Ostern an und hört... wann auf? DUU! Wann hört die Osterzeit auf?»
D: «... aaa.. adven.. nee, PFINGSTEN!»
Lehrer: «JAAA, natürlich PFINGSTEN!! Mensch, wofür kommt ihr denn hier überhaupt her, hm? Bringen die euch in der SCHULE ÜBERHAUPT ETWAS BEI!? 'ne Katastophe, wirklich, die reinste Katastrophe..»

*

Irgendwann hat er sich wieder beruhigt, lässt alle armen Schüler schön brav auf ihre Hefte kritzeln und erzählt weiter, bis wir auf das Thema 'Aberglaube' kommen, welcher in der christlichen Religion nichts verloren hat.

Lehrer: «AAABBERGLAUBE.. so ein Stuss aber auch... wenn ihr überhaupt wisst, was das ist... DUU, was ist Aberglaube?»
E: «ÄÄhh.. na ja.. das ist so zum Beispiel, wenn du einen Mann am Kaminputzen siehst, und dann meinst du, das bringt Glück...»
Lehrer: «...? Ach, unter ABERGLAUBE versteht wir all den Mist mit den Teekannen und dem Wahrsagen und die Sterndeutung, und vor allen Dingen für euch diese Horoskope..»
B: «.. dürfen wir denn keine Horoskope lesen?»
Lehrer: «Selbstverständlich NICHT! Das ist alles kompletter MIST! Ihr SELBER entscheidet, was mit euch passiert, und nicht irgendein verblödetes HOROSKOP! IHR DÜRFT EUCH DOCH DIESEN MIST NICHT REINZIEHEN...»
B: «Aber... also.. in meinem Horoskop heute steht, dass ich nicht alles glauben soll, was mir andere Leute erzählen...»


Stille.

Lehrer: «AHHRHGGH, wisst ihr was!? Geht einfach nach Hause, GEHT! Fertig für heute.. GEHT.. geht Horoskope lesen, seid glücklich, kommt an Weihnachten wieder.. was weiss ich.. GEHT EINFACH!»

Wenigstens habe ich heute gelernt, was für eine grosse Sünderin ich bin.
Ich les öfters 'heimlich' Horoskope... nur so... aus Neugier.

29.3.08 16:50