schpitza

Home
Gästebuch
Kontakt
Archiv
Abonnieren
Disclaimer & Info



kostenloser Counter



Gratis bloggen bei
myblog.de

Feiertage als Liebeskiller

Zu lang andauerndes scheinfröhliches Beisammensein im engsten Kreis der Familie tut uns nicht gut. Vor allem nicht, wenn mein Vater irgendwie nicht so recht weiss, was er tun soll und sich deshalb auf dem Sofa ausbreitet. Meine Mutter ist daraufhin so genervt, dass sie jedes seiner meist harmlosen Worte vollkommen falsch interpretiert.

So habe ich mit meiner Mutter darüber geredet, dass sie die halbe Nacht wach im Bett verbringt und dabei ist der Satz: «Du hast echt Probleme damit, da solltest du was dagegen tun» gefallen.

Daraufhin hat mein Vater «Mit was hat sie denn keine Probleme?» entgegnet und breit gegrinst. Obwohl das nur als Witz gemeint war, begann da schon das Türen-zuschlagen, das «15 Jahre sperrst du mich hier ein und dann sowas», «die einzige Frau, die du schätzst ist deine breitbeinige alte Mutter» und das «Tja, das kommt halt so, wenn man selbst voller Komplexe ist und die dann auf andere überträgt!!!»

Weil das die doch sorglose Familienidylle gänzlich getrübt hat, hat meine Schwester versucht sich mit einer ungeschälten Zwiebel zum Heulen zu bringen, da ihre Tränen jedes Mal eine relativ versöhnungsvolle Wirkung haben. Da das mit der Zwiebel nicht so recht klappen wollte, hat sie sich das Handy unseres Vaters geschnappt und von dem eine SMS an unsere Mutter geschrieben:

Verzeih mir, meine über alles geliebte Frau. Ich verspreche dir von ganzem Herzen, dass ich mich bessern werde.

Dein untröstlicher Ehemann

Meine Mutter hat sich bloss darüber schlapp gelacht und gemeint, er würde das nicht mal schreiben, wenn jemand ihm eine Knarre an den Kopf halten würde – nein, nicht mal wenn jemand gerade dabei wäre, ihm die Beine abzusägen.

Am Abend sassen sie wieder verwöhnt gemeinsam auf dem Sofa und haben sich ganz entspannt unterhalten:

Sie: «Die ganzen, die GANZEN 10 Tage bist du nicht auf die Idee gekommen, dass jemand mal den Keller aufräumen könnte, aber neeein, hier auf dem Sofa rumzuliegen ist ja viel schöner..»
Er: «Ja, der ist ja schon aufgeräumt...»
Sie: «Jaa, dir würde es sicher auch gefallen, wenn hier überall Kisten und sonstiger Dreck herumliegen würden...»
Er: «Das ist aber nicht so.»
Sie: «JAAH, weil ich immer alles wegräume! Vielleicht solltest du dir mal 'nen Vorsatz fürs neue Jahr nehmen... so im Sinne von 'Ich sorge selbst ein wenig für Ordnung!'»
Er: «Wenn ich nach Hause komme ist es so oder so schon sauber wie in 'nem Krankenhaus – nein, es ist immer so sauber, dass man vom Boden essen könnte, aber du strebst ja anscheinend noch mehr an...»
Sie: «Du hast keine Ahnung, du weisst gar nicht wieviel Staub da ist!»
Er:
«Jaa, der existiert einfach nur... irgendwo.. in deinem Kopf, sonst nirgends..»
Sie: «Dann nimm dir einen anderen Vorsatz, vielleicht machst du ja Fortschritte beim Umgang mit deiner Frau. Ich habe mir zum Beispiel vorgenommen, dass ich dich im neuen Jahr mehr lieben werde!»

Er: «Ja, weniger geht ja gar nicht, ne?»

Aber eigentlich haben wir uns alle ganz doll lieb.
3.1.08 10:29


Werbung


»Lass Geschmack vom Himmel regnen.»

Ich finde es ja wirklich niedlich, wie mein Vater mir helfen will, neue Schuhe zu finden – aber auf seine Hilfe kann man manchmal getrost verzichten.

Erstens habe ich nach STIEFELN, oder wenigstens solchen 'Halbstiefeln' gesucht, und zweitens sollte er mittlerweile halbwegs wissen, wie ich mich kleide und was für Vorstellungen ich von Schuhen so habe.

Und solche habe ich bestimmt nicht:


Tut mir Leid wegen der mangelnden Bilqualität - ist ein Handyfoto.

Von den achtundzwanzig Paar Schuhen, die man so auf einem Regal findet, würde ich erst als Letztes zu denen greifen, die er im nächsten Augenblick in der Hand hält und ganz ernst fragt: «Und die?»

Das Problem bei ihm liegt jedoch nicht nur daran, dass die Einzelstücke nicht gerade ein Hingucker sind, sondern dass er keine zwei Dinge passend miteinander kombinieren kann – sei's auch nur darum, weil er leicht farbenblind ist. Man kann wirklich von Glück sprechen, dass er zulässt, dass meine Mutter ihn einkleidet und ihm das eine oder andere Stück mit «Sonst gehts noch!?» aus der Hand reisst.

Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten...

Von daher; wenn's ihm gefällt...


... dann mir nicht.

5.1.08 14:48


Lasst die Pizzen sprechen

Wieder mal band sich meine Mutter nach ihrer zweistündigen Nagelpflege ihre Kochschürze um und begann plötzlich irgendwas zu mixen, rühren und zu schütteln. Es mag an den Wechseljahren liegen – aber wenn sie einmal den Wunsch hat, wieder mal 'nen Kuchen zu backen, dann steht ihr nichts mehr im Weg. Diesmal war es jedoch nicht eine Folge eines Hormonstroms, sondern viel eher eine JETZT-ZEIG-ICHS-DIR-Aktion, nachdem mein Vater gemeint hatte, seine Mutter hätte in den Monaten nach Weihnachten jede Woche mindestens einen Kuchen gebacken.

Sie war sichtlich genervt und reagierte so auch nicht auf den Ruf aus meinem Zimmer, sie solle die Tür zu machen, weil der Mixer mich beim «Lernen» (= so nebenbei bei allen Foren vorbeischauen) störte. So musste ich selbst herstapfen und die Tür zuschlagen, so dass ich zur Strafe gleich in den Supermarkt geschickt wurde um eine Tüte Milch zu kaufen, die ihr ausgegangen war.

Ziemlich widerwillig trottete ich daraufhin in den nächsten Supermarkt und schnappte mir aus dem Regal extra die Milch mit dem grössten Fettgehalt. Anschliessend machte ich mich auf den Weg zur Kasse, als ich bei der Kühltruhe den dunkelhaarigen Schulpsychologen aus meiner neuen Schule erblickte.

Im Grunde kenne ich ihn nur flüchtig, obwohl ich mehrmals Klassenkameradinnen begleitet habe, als sie ihm einen Besuch abgestattet haben. (Es ist besser in seinem Büro einfach dazusitzen und zuzuhören, als den Sportunterricht zu besuchen und den Hampelmann zu spielen). Also war ich mir sicher gewesen, dass ich ihm noch in Erinnerung bin, und hielt es für angebracht ihn zu grüssen, da ich ihn durchaus in Ordnung finde und er meine Kameradinnen ziemlich kompetent beraten hat.

Ich wollte gerade an ihm vorbeischreiten und einen Gruss aussprechen, als mir auffiel, dass er mit jemandem sprach. Da er jedoch mit beiden Händen an den Kühlprodukten herumwerkelte, konnte er unmöglich telefonieren und in Begleitung war er auch nicht. Doch ehe ich mich darüber wundern konnte, hörte ich auch schon, was er da vor sich hin murmelte.

Er: «Das grüne oder das rote.. oder das dritte.. aber nein, das kann ich unmöglich allein essen... aber das ist feiner, jedoch ist DAS auf Aktion... wobei ich schon gestern eins von denen gegessen habe und im Grunde mein Kühlschrank noch voll ist... aber gut, nur noch einmal, und wenn das morgen noch da ist, dann nehme ich das...»

Zufrieden legte er eine Tüte in seinen Einkaufskorb, als ich die Gelegenheit nutzte und an ihm vorbeiging.

Ich: «Guten Tag, Herr *****.»

Vollkommen erschrocken und verblüfft zugleich wirbelte er herum und starrte mich anschliessend verwirrt an.

Er: «Oh, tschau zusamm'n!»

Abgesehen davon, dass ich alleine da war und weit und breit keiner in unserer Nähe war, sollte sich einer, der Selbstgespräche führt auch nicht wundern, wenn er mal dabei ertappt wird.

Allzumal sowieso alle 'nen Knall haben – Psychologen eingeschlossen.
7.1.08 18:28


Der böse UBS

Viertel vor elf, Sonntagabend. Meine Mutter reicht mir den Hörer und meint: «Jemand braucht dich, ich weiss aber nicht wer es ist. .. Unhöflich, so spät anzurufen.. Pass auf, da bellt jemand regelrecht in den Hörer.»

Nein, es ist nicht meine Tante.

Ich: «Ja?»

Rascheln.

Sie: «Hej guck, warte.. warte, ich muss es schnell auftun...»
Ich: «Wer ist da?»

Sie rümpft die Nase.

Ich: «Haaallloo, wer spricht da?»
Sie: «Ich, Mann. Warte jetzt...»
Ich: «Ja, wer ist ICH!?»
Sie: «Was?»
Ich: «MIT WEM SPRECHE ICH?»
Sie: «XYYY, Mann.»

Meine werte Klassenkameradin. Eigentlich hätte ich sie an der Stimme oder wenigstens an der Wortwahl erkennen können, aber da sie am Weinen war, klang sie vollkommen anders.

Ich: «.... hast dus?»
Sie: «Ejj.. warte.. jetzt... sch**** einfach...»
Ich: «Es ist gleich elf, was ist los?»
Sie: «Sie bringt mich um.»
Ich: «Wer? Deine Mutter? Bist du nicht zu Hause?»
Sie: «DOOOCH, Mann, Frau ***** (Deutschlehrerin) natürlich.»

Ich: «Und wieso?»
Sie: «Ich.. ich hab meine ganze Arbeit... ich hab sie gemacht, zwölf Seiten und jetzt ist nur noch eine halbe Seite da! Word... es hat alles gelöscht, alles, ich wollte es auftun um es noch zu ergänzen, aber alles ist weg, nur noch eine halbe Seite!!»
Ich: «Ja, hast du was gedrückt oder so? Was gemacht?»
Sie: «Nein, nichts, ich habs gestern fertig gemacht, und heute hab ich es aufgemacht und es ist nicht mehr da!»
Ich: «Bist du sicher, dass du es gestern gespeichert hast?»
Sie: «JAAH, aber ich habe gestern nur eine Seite gemacht, also sollten, wenn ich es gestern nicht gespeichert hab, noch elf Seiten da sein, ABER ES IST NUR NOCH EINE HALBE SEITE DA!»

Schluchzt.

Sie: «Sie bringt mich um, ich habs schon einmal zu spät abgegeben, sie bringt mich um, sie bringt mich um...»
Ich: «Hast du es sonst wo gespeichert? Hast du was gedruckt? Hast du es sonst irgendwie abgesichert?»
Sie: «Ja, auf meinem UBS-Stick, aber da ist auch nur noch eine halbe Seite drauf... vermutlich hat es dieser blöde UBS geschluckt...»
Ich: «Und wann hast du es auf'n USB-Stick getan?»
Sie: «Schon ganz am Anfang, aber dann hab ich heute den UBS eingeschoben und dann war es nicht mehr da...»
Ich: «Aber ... das kann irgendwie nicht sein. Hast du versucht es wieder herzustellen?»
Sie: «Nein, aber das geht sowieso nicht.»
Ich: «Wieso nicht? Hast du im Internet 'ne Anleitung gesucht?»
Sie: «Ja, das funktioniert sowieso nicht.»
Ich: «Ja, und wieso hast du mich dann angerufen?»
Sie: «Damit du mir hilfst.»
Ich: «Und wie soll ich dir helfen?»

Schweigt. Putzt sich die Nase.

Sie: «Mach, dass es wieder da ist...!»
Ich: «Und wie?»
Sie: «MANN, WIESO HAB ICH DICH ANGERUFEN?
Ich: «Ja, du musst versuchen, falls noch ein Backup der alten Datei ist, diese wiederherzustellen.»
Sie: «In was für 'nem Becken?»
Ich: «VERSUCH DIE DATEI WIEDERHERZUSTELLEN. Ich muss gleich auflegen...»
Sie: «Und wie?»
Ich: «Guck bei Google.»
Sie: «Ja, aber da hab ich schon geguckt.»
Ich: «Ja, dann guck weiter, oder investier die Zeit darin, es neu zu schreiben.»
Sie: «Neeiin..!»
Ich: «Dann tu was.»
Sie: «Aber meine Tastatur klemmt.»
Ich: «Deine Tastatur klemmt!?»
Sie: «Ein paar Buchstaben gehen nicht, deshalb kann ich das gar nicht bei Google eingeben.»
Ich: «Hör zu, ich muss gleich auflegen. Benutz die Zeichentabelle. Finde heraus, wie man Dateien wiederherstellen kann.»

...(Ich muss ihr erklären, was die Zeichentabelle ist und wie das funktioniert.)

Sie:
«Okay... aber...wie konnte das passieren?»
Ich: «Ja, das weiss ich auch nicht... du hast wohl was Falsches ged-«
Sie: «ICH HAB GAR NICHTS GEDRÜCKT!»
Ich: «Tja, dann hats wohl jemand mit Absicht gelöscht. Sonst weiss ich auch nicht..»
Sie: «DAS HAT ABER NIEMAND GELÖSCHT!»
Ich: «Ja.. dann... dann wars ein technischer Defekt.»
Sie: «Soll ich das in den Brief schreiben?»
Ich: «In welchen Brief?»
Sie: «Ich schreib Frau ****** 'nen Brief, dass es ein technischer Defekt war.»
Ich: «Schreib was du willst. Ich muss auflegen. Viel Glück noch.»

Sie: «Ja, und wenn ichs nicht schaffe, dann bringe ich morgen meinen UBS-Stick mit und-«
Ich: «UBS IST DIE BANK, DAS DING HEISST U-S-B-STICK!! U-S-B!»
Sie: «Ja, mir doch egal... ich such jetzt nach nem 'bäckap'...»

Piep. Piep. Piep.
10.1.08 17:32


Speckröllchenattacke

Obwohl ich früher relativ gerne herumgeturnt habe, halte ich mittlerweile den Sportunterricht für das absolut unnötigste, langweiligste und überflüssigste Schulfach. Nicht, dass ich zu faul wäre mich zu bewegen, im Gegenteil; in meiner Freizeit treibe ich gar nicht so selten Sport, aber das, was wir in der Schule veranstalten... mit dem kann ich mich einfach nicht anfreunden.

Ich möchte nicht bestreiten, dass ich den Sportunterricht besser leiden könnte, wenn eine andere Lehrerin unterrichten würde – aber dieses grauenvolle Programm in Kombination mit dieser schrecklichen Frau sprengt einfach alles.

Sie lässt uns mitten im Winter bei eisiger Kälte in den Wald rennen und im Laub nach Stöcken graben – das Ganze nennt sich Orientierungslauf. Ach, und wenn sie vor der Stunde ankündigt, dass wir rausgehen und ich sie frage, ob ich wenigstens ein Jäckchen holen könnte, damit ich in meinem ärmellosen T-Shirt bei Minusgraden nicht erfriere, bezeichnet sie mich als «überempfindlich»...

Abgesehen davon lässt sie immer so nervtötende Musik laufen und wir müssen dazu einen ihrer selbsterfundenen Tänze tanzen, die selbst im Mittelalter als veraltet gegolten hätten.

Damit könnte ich jedoch leben, hätte die arme Frau nicht so eine Vorliebe für Akrobatik und Bodenturnen. Da lässt die uns was- weiss- ich für Salti über noch- schlimmere- was- weiss- ichs machen. Und nein, das ist absolut nicht gefährlich, und grössere Matten sind auch nicht erforderlich. Angst? Jemand hat Angst!? Also nein, das geht ja absolut nicht; vollkommen inakzeptabel!

In gewisser Weise könnte ich das ja auch noch akzeptieren, würde die Frau uns selbst vorzeigen, was wir zu tun haben. Aber sie mit ihrer Schaf-Frisur und dem Dutzend Speckröllchen ist noch unbeweglicher als meine Oma, der sogar ein Gang vom Sofa zum Klo schwer fällt.

Deshalb lässt sie die Kunststücke immer von ihren Lieblingspüppchen vorführen, die in ihrem Leben sowieso nichts anderes tun als ihre Beine verdrehen und irgendwo herumzuspringen.

*

So verlangte sie auch heute von uns wieder mal unmögliches Zeug; wir stellten fünf Mattenbahnen auf und darauf zwei Böcke, ein kleines Trampolin und einen Kasten. Da sollten wir schliesslich im Rythmus der Musik aus einem Handstand heraus beginnen, uns da herumschwindeln und dann Salti über die Böcke und weiss-auch-nicht-was auf dem Kasten machen.

Wir standen verdutzt in der Halle herum, als immer je fünf Leute sich da aufstellten und die Übungen vorführten. Wenn jemand etwas nicht konnte, durfte er es 'angeblich' auslassen; doch als die ersten sich weigerten, über die Böcke zu springen, schmiss die Frau sie so darüber,dass sie fortan alles selber machten, auch wenn sie es nicht konnten.

Als schliesslich die letzten die Mattenbahnen verliessen und keiner mehr kam, hielt sie die Musik an und begann durch die ganze Halle zu schreien.

Sie: «STOPP, STOPP, STOOOPPPP! Ihr könnt mich nicht für dumm verkaufen, WAHRLICH NICHT! Wir sind hier 23, und KEINE fehlt! Jetzt waren aber beim letzten Durchgang nur zwei Bahnen besetzt! Irgendjemand von euch will mich hier für DUMM VERKAUFEN, VERDAMMT! WER HAT DIE ÜBUNG NOCH NICHT GEMACHT, HM? WER HAT SIE NOCH NICHT GEMACHT?»

Sie schaut böse in die Runde, doch alle schweigen.

Sie: «DAAAS wird Folgen haben, SOOO schwer kann das ja gar nicht sein, ver-«
Ich: «Ich hab sie nicht gemacht.»
Sie: «Wie bitte?»
Ich: «ICH – HAB – DIE – ÜBUNG – NOCH – NICHT – GEMACHT.»
Sie: «Aahhh, und WIESO BITTE SCHÖN?»
Ich: «Weil ich das nicht kann. Letztes Mal hab ich mir echt weh getan, und ich kann nicht leugnen, dass ich jetzt wieder Schiss hab...»
Sie: «Haah, wir üben schon seit Monaten, und du-«
Ich: «Tun wir gar nicht.»

Sie tut so, als hätte sie es nicht gehört.

Sie: «Wir üben hier SEIT MONATEN, alle Elemente haben wir geübt, so dass mir hier keine, aber wirklich KEINE sagen kann, dass sie es nicht schafft! UND ich verurteile auch nicht die ... die Unfähigen – solange sie es versuchen! Alles müsst ihr ja auch nicht können, Mensch! Und jetzt los! Jetzt machst du sie aber, LOS!»

Sie läuft zur Anlage und dreht die Musik wieder auf. Ich begebe mich auf Startposition.

Den Handstand am Anfang mit Abrollen machte ich, da dies das Einzige ist, was ich noch so halbwegs kann. Doch fortan weigerte ich mich konsequent und fuchtelte nur schlaff mit den Händen in der Luft herum, da diese tänzerischen Elemente einfach nur zum Lachen sind. Als die Böcke vor mir waren, kroch ich einfach auf allen vieren unten durch und schwang mich über den Kasten. Wenn ich es nicht kann und dazu noch solche Angst habe, dann mach ich es nicht, und so wie sie einem hilft... da kann man getrost drauf verzichten.

Einige meiner Mitschülerinnen lachten, die aus der Parallelklasse guckten eher erschrocken. Zum Glück läutete im nächsten Augenblick die Schulglocke und erlöste mich. Was sie mir für 'ne Note macht, ist mir sowas von egal. Ich kann mit allem leben.

Obwohl...

Sie wird mir die nächsten Jahre zur Hölle machen.

12.1.08 12:05


Föhne gegen den Klimaschutz!

Dass die Sportlehrerin mir die letzte Aktion übel nehmen wird, war mir sofort klar – aber dass sich das schon heute bemerkbar macht, hätte ich nicht gedacht.

Nachdem meine werte Kollegin und ich durch die eisige Kälte fünfzig Meter zum Sportgebäude hinübergetrottet waren, froren wir bereits so sehr (leichte Überempfindlichkeit ist halt doch vorhanden), dass wir nur noch über den Turnunterricht schimpften und verzweifelt die Hände aneinanderrieben, um uns aufzuwärmen.

Schliesslich gelangten wir zu den Damengarderoben, wo im Flur um die zehn Föhne standen. Augenblicklich rannte sie also los, betätigte den Knopf, und wärmte ihre Hände und ihr Gesicht mit einem erleichterten Seufzer an der warmen Luft auf. Ich gesellte mich zu ihr und genoss die angenehme Luft, die mir entgegenblies.

Gerade wollten wir uns in die Garderoben begeben, als plötzlich ein breites quadratisches Geschöpf hinter uns auftauchte.

L = SportLehrerin
Ich = Ich
Sie = Klassenkameradin


L: «MACHT DAS AUS! MACHT DAS AUS! WAS MACHT IHR HIER, HERR GOTT NOCHMAL!?»
Ich: «Wir wärmen unsere Hände auf.»
L: «Wie bitte?»
Sie: «WIR – WÄRMEN – UN- SE – RE KALTEN – HÄNDE – AUF!»
L: «Sag mal, was fällt euch eigentlich ein?»
Ich: «Wieso denn?»
L: «Diese Dinger sind vielleicht für etwas anderes gedacht!!»
Sie: «Jaa, aber es ist kalt draussen, und wir haben ja jetzt keine Jacken an.»
L: «Kalt!? Kalt? Wo kommt ihr denn her, ausm Schulhaus? Und in diesen Pullis habt ihr so KALT, dass ihr euch aufwärmen müsst? Da könnt ihr ja oben in der Halle ein paar Runden joggen, da habt ihr nicht mehr KALT.»
Sie: «Aber wir machen das immer so.»
L: «Soll das jetzt eine Rechtfertigung sein oder wie? Befürwortet ihr eigentlich Atomkraftwerke?»
Ich: «Eigentlich nicht, aber das tut auch nicht viel zur Sache.»
Sie:
«Wieso, ich hab nichts gegen Atome...?»

...

L: «Die werden mit ATOMSTROM betrieben, und das ist eindeutig STROMVERSCHWENDUNG für überempfindliche...  überempfindliche..  Leute, das ist zum HAARE TROCKNEN und nicht die armen HÄNDCHEN AUFWÄRMEN! Wenn ihr nasse Haare habt, könnt ihr meinetwegen drunterstehen, aber SO NICHT!»

Meine Klassenkameradin lässt auf einmal ihren Turnsack fallen, rennt los, und biegt rechts in Richtung der Toiletten ab. Ich starre ihr verdattert nach, während die Lehrern munter weiterredet, weil in ihren Augen ja sowieso nur ich die Schuldige bin.

L: «Man könnte sich wenigstens ein wenig ANSTRENGEN, du bist weiss Gott NICHT UNSPORTLICH, aber anscheinend hast du ja mit allem ein Problem, nicht wahr? Wenn ich dich das nächste Mal unter diesem Ding stehen sehe, nein, euch beide, dann könnt IHR ALLE BEIDE EINE STUNDE ZU MIR KOMMEN, DANN ZEIG ICH EUCH WAS SPORT-«

Sie stockt jäh, als auf einmal meine Klassenkameradin wieder den Gang hinuntergelaufen kommt, die Hälfte der Haare patschnass. Sie stellt sich neben mir unter den Föhn, macht ihn an und meint:

Sie: «Jetzt darf ich ja drunterstehen, ich hab nasse Haare!»

Während die Lehrerin nur so verdattert dasteht und man vom Lärm des Föhns sowieso nicht viel verstehen kann, krieg ich mich fast nicht ein vor Lachen. Das Quadrat dreht sich auf dem Absatz um und geht.

Im Nachhinein sind wir natürlich zu spät zur Turnstunde gekommen – ich auch, da ich auf meine Kameradin gewartet habe, die sich die Haare trocknen musste, die sie unter den Wasserhahn gehalten hatte. (Dabei hat sie sich auch ordentlich Zeit gelassen...)

Aber das wars allemal wert.

14.1.08 17:58


Biologisches Unverständnis

Als Ausländerin in der leicht fremdenfeindlich veranlagten Schweiz konnte ich bisher relativ gut leben – obwohl ich mir bewusst bin, dass die Leute beim Klang meines Nachnamens zusammenzucken und gleich ihre Vorurteile herauszücken, was sich bei mir später in der harten Arbeitsbranche wohl als Nachteil erweisen wird.

Bereits heute treffe ich jedoch auch auf Leute, die Osteuropäern gegenüber eine ziemlich feindselige Einstellung haben – wie zum Beispiel meine leicht schräge, nationalistische Biologielehrerin.

*

An ihrem falschen Lächeln und dem Vorzug von Schweizer Schülern habe ich schon lange festgestellt, dass sie ein Problem mit mir hat. Nur hat sich das noch nicht negativ ausgewirkt, da sie mich kaum in Klausuren oder sonstigen Tests wirklich benachteiligen kann.

Heute jedoch verkündete sie uns, sie würde uns während unserem Biologiepraktikum mal ein wenig über die Schulter schauen und unser Arbeitsverhalten und das Protokoll bewerten.

So machten wir uns ans Mikroskopieren und betrachteten Zwiebelzellen in verschiedenen Substanzen. Das Protokoll bestand aus Skizzen unserer Beobachtungen.

Die Frau ging mit ihrem Klemmbrett durch die Reihen, blieb je fünf Sekunden stehen, kritzelte hastig etwas darauf und ging auch schon zum Nächsten. Wie sie in dieser Zeit unser gesamtes «Arbeitsverhalten» bewerten sollte, war mir vollkommen rätselhaft, zudem wir eigentlich alle haargenau dasselbe taten. Was kann man denn da gross falsch machen, wenn man bloss durch ein Rohr starrt und das zeichnet, was man zu sehen glaubt!?

Offensichtlich hatte ich mich getäuscht – in der übernächsten Stunde bekamen wir unsere Protokolle mitsamt der Arbeitsverhalten-Note zurück. Und ich? Eine Ungenügende.

*

Als ich sah, dass sie mir bei all den Punkten wie Konzentration, Disziplin, Umgang, Sicherheit, Haltung, Technik, Umsetzung, Genauigkeit und Allgemeiner Eindruck ziemlich schlechte Bewertungen gegeben hatte, fühlte ich mich ziemlich ungerecht behandelt. Als ich schliesslich auch noch feststellte, dass sie die Authentizität meines Protokolls mit glatten null Punkten belohnt hatte, stürmte ich regelrecht zu ihr nachs Pult um meine Note zu diskutieren.

Ich: «Ich würde gerne eine Begründung für meine Note haben.»
Sie: «Eine Begründung? Wozu denn? Steht doch schon alles drauf.»
Ich: «Hm, aber leider kann ich viele dieser Dinge nicht unbedingt nachvollziehen.»
Sie: «Was ist denn daran bitte schön schwer verständlich!?»
Ich: «Ich habe nicht gesagt, dass ich es nicht verstanden habe... Aber ich weiss nicht, wieso mein Arbeitsverhalten so negativ bewertet wurde.»
Sie: «Ihr Arbeitsverhalten? Ich verstehe nicht, wieso Sie DARAN etwas auszusetzen haben. Ich habe ausserdem sehr mild benotet – Sie können ... von Glück reden, dass das so ausgefallen ist.»

Ich (schon ziemlich entrüstet): «Was.? Aber.. bitte... sehen Sie... was soll den an meiner HALTUNG denn schon falsch sein, hm!? Wieso hab ich da keinen einzigen Punkt!?»
Sie: «Ihre Haltung lässt einfach zu wünschen übrig. Sehen Sie sich mal an, wie Sie dasitzen. Wie ein Krüppel. Ihre Haltung strahlt Ihr Desinteresse so in die Klasse aus, das gibts gar nicht!»
Ich; «Was..!? Kann ich was dafür, dass mir mein Rücken bei diesen Stühlen ohne Lehne schmerzt?»
Sie: «Es geht nicht nur um Ihren Rücken, sondern auch um Ihre Augen.»
Ich: «Was stimmt denn bitte schön mit meinen Augen nicht!? Haben sie die falsche Farbe oder was!??? Jaaah, sie sind nicht grün, für Biologie müssen sie grün sein oder-«
Sie: «Sie verdrehen andauernd die Augen. Kaum sage ich etwas, verdrehen Sie die Augen.»
Ich (entsetzt): «Das stimmt aber gar nicht! Das tue ich gar nicht! Und... und... ausserdem, wieso hab ich bei Umgang auch nichts? Was soll das überhaupt heissen?»
Sie: «Das soll heissen, wie Sie mit ihren Mitschülern umgehen, ob Sie ihnen helfen, und so weiter...»
Ich: «... und was ist daran nicht gut?»
Sie: «Jedes Mal, wenn Sie ihrer Pultnachbarin etwas zu sagen haben, dann hauen Sie ihr auf den Arm, so etwas entgeht mir nicht! Deshalb kann ich Ihnen da einfach nicht viele Punkte geben..»
Ich: «Aber sie reagiert ja nicht, wenn ich sie rufe, wie soll ich denn sonst auf mich aufmerksam machen!?»
Sie (hat gar nicht hingehört): «Ich weiss gar nicht, worauf dieses Gespräch hinauslaufen soll. Ihre Bewertung ist vollkommen berechtigt.»

...

Ich: «Aber... wieso ist denn mein Protokoll nicht authentisch!?»
Sie: «Sie haben alles viel zu gross gezeichnet.»
Ich: «Zu gross!? Sie sagen ja die ganze Zeit, man solle möglichst gross zeichnen, damit man auch etwas darauf erkennt!»
Sie: «Ja, aber das ist zu gross.»
Ich: «Aber andere, die es grösser gezeichnet haben, haben bei Authentizität die volle Punktzahl!»
Sie: «Ihres wirkt halt einfach zu gross.»
Ich: «WAS!? Aber.. «
Sie: «Es gibt noch andere, die mit mir ihre Note besprechen wollen. Ich denke, das genügt.»

Obwohl ich Lehrern eigentlich immer mit dem nötigen Respekt begegne ...

Die kann mich *** ....
17.1.08 18:47


Toll untertitelt

In meiner Klasse gibt es so eine Karikatur von einem Kerl, der von meiner Seite mittlerweile keines Blickes mehr würdig ist – obwohl ich mich im Umgang mit Menschen als durchaus tolerant bezeichnen würde.

Er hat es darauf abgesehen, absolut jedem Lehrer zu widersprechen und sich auf eine Diskussion einzulassen, die auch nach der Stunde am Lehrerpult weitergeführt wird. Ausserdem hinterfragt er gerne die Dinge, will die Lehrer in Verlegenheit bringen, akzeptiert nicht, dass er im Unrecht ist und sucht nach neuen Argumenten, um wieder stänkern zu können.

Meldet er sich im Unterricht, hauen sich schon alle mit der Hand an den Kopf, bereit dazu, die restliche Stunde mit seinem Geplapper genervt zu werden.

Ausserdem liebt er es, vom Thema abzulenken:

Reden wir über Hydrostatik, labert er von Einstein und will die Realitivitätstheorie noch mal erklärt haben.
Geht es um den Ersten Weltkrieg, kommt er mit Hitler, sprechen wir über Klimafaktoren, kommt er mit seiner Gravitationskraft, reden wir von fleischfressenden Pflanzen, will er was zu Schafen sagen, BLABLABLA.

Sein grösstes Talent ist es jedoch, irgendwelche Fakten aus vollkommen anderen Fachgebieten mal einzubringen und dann all die unwissenden Lehrer anzustarren, die mit diesen Angaben nichts anzufangen wissen.

Man könnte ihn durchwegs als ehrgeizigen Schüler bezeichnen, wäre er nicht so furchtbar arrogant und besserwisserisch und würde seinen Zynismus an den unpassendsten Stellen einbringen. (Oft im Bezug auf meine Pultnachbarin, die er absolut nicht ausstehen kann, da er ihre Art von «Humor» nicht versteht und sie für unterbelichtet und unmenschlich hält. Sie nimmt das jedoch oft gar nicht Ernst, da sie seine sarkastischen Aussagen sehr selten versteht.)

Auch sein äusseres Erscheinungsbild lässt zu wünschen übrig – ich kann mir ja vorstellen, dass er von seinem alleinerziehenden Vater nicht bemuttert wird, aber sich mal ein frisches Hemd anzuziehen ist echt nicht zu viel verlangt.

Das einzig bemerkenswert Glanzvolle an ihm ist seine äusserst fettige Mähne, die er jedes Mal geschickt zurückwirft, bevor er mit einer seiner Reden beginnt.

*


Da er letztens in einer Deutschstunde meiner Pultnachbarin in einer Diskussion widersprochen hat, hat sie sich zur Aufgabe gemacht, ihm in jedem Punkt insofern möglich zu widersprechen.

Physik. Wir reden über Licht, über die Wahrnehmung durch die Augen, davon, dass unsere Welt sehr auf das Visuelle fixiert ist und schliesslich, dass viele Menschen in Umfragen angeben, sie hätten jede andere Behinderung lieber als blind zu sein.

Da meldet sich Mr.Ich- widerspreche- allen und beginnt irgendeinen Mist zu erzählen:

Er: «Ich kann von mir sagen, dass ich viel lieber blind wäre, da ich sehr auf meinen Gehörsinn angewiesen bin (...) Welt ist zu oberflächlich (...) durch die Wahrnehmung mit den Ohren kann ich persönlich einen Menschen viel besser einschätzen (...) gibt mir die Fähigkeit zu urteilen (...) bin auf den Sehsinn ÜBERHAUPT NICHT angewiesen (...) Töne können viel intensivere Emotionen auslösen (...) ich wäre möglicherweise sogar gerne blind (...)»

Meine Pultnachbarin nutzt die Gelegenheit und schreit in die Klasse:

Sie: «NHHH, du bist so blöd, wie kann man lieber BLIND sein, dann knallst du ja gegen die nächste Wand, aber das tust du ja-«
Physiklehrer: «Wenn Sie etwas zu sagen haben, dann heben Sie die Hand und lassen Sie ihn ausreden.»

Miss Ich – widerspreche - Mr.Ich- widerspreche- allen streckt die Hand so hoch wie möglich und wartet ungeduldig.

Er: «Im Grunde hätte ich abgeschlossen, sie kann gerne noch einen primitiven Kommentar abgeben.»
Physiklehrer: «Ja, *****, bitte.»
Sie: «AAAALSSOOOO... ich wäre VIEL LIEBER TAUB, weil ... wir sprechen ja von einer Behinderung, die wir... während dem .. Leben bekommen.. Also wenn man taub wird wegen einem Unfall, dann kann man Lippenlesen und so lernen und so Gebärdensprache und dann... ja, dann kann man ja auch gehen, das kann man nicht, wenn man blind ist... Also, eigentlich kann man schon gehen, aber dann knallt man ja immer gegen 'ne Wand, dann müsste man einen Blindenhund haben, aber dann siehst du ja nichts und der Hund kann dich beissen... und ich mag Hunde nicht.. und.... und...»
Physiklehrer: «Und was für einen effektiven Nutzen hätten sie noch zum Beispiel im Alltag durch den Sehsinn?»
Sie: «Also... also... «

... überlegt ....

Sie: «Also, wenn man ja blind ist, dann kann man ja nicht Fernseher gucken, weil man nichts sieht, aber wenn man taub ist, kann man Fernseher mit Untertitel gucken...»

Kein ... Unterkommentar.

18.1.08 18:37


SHARPes Interesse

Das einzige Ding, wonach ich nach jeder Stunde voller Sorge zwischen meinen Schulbüchern wühlend suche, und das mir nicht erlaubt, die blöde Schultasche einfach in den Spind zu pfeffern, ist 125 x 80 x 17 mm gross, 156g schwer, schon leicht beschädigt und trägt seit Donnerstag unter den vielen anderen auch die Aufschrift: «ICH DARF MEIN DESINTERESSE NICHT MEHR IN DIE KLASSE 'HINAUSSTRAHLEN'.»

Mein mehrsprachiger elektronischer Übersetzer, von allen sehr liebevoll «SHARP-Ding» genannt, ist vor allem in den Sprachstunden sehr beliebt, wo er meist von Hand zu Hand gereicht wird um mehr oder weniger sinnvolle Dinge nachzuschlagen.

Anfangs freut man sich über die gelungene Investition und die Nützlichkeit des Gerätes – später taucht die Frage auf, weshalb sich alle kichernd so lange mit diesem Ding beschäftigen können, obwohl sie anfangs doch nur «ein einziges Wort» nachschlagen wollten.

Die Lösung des Rätsels ist sehr simpel und von allen noch unentdeckt geblieben – das Gerät verfügt nämlich über eine VERLAUF-Funktion, wo alle gesuchten Begriffe gespeichert werden und jederzeit abrufbar sind. So kann ich nach jedem Gebrauch ganz mühelos feststellen, in welcher Form sich die Leute mit diesem Gerätchen vergnügt haben.

Enttäuschenderweise finden alle den gleichen, primitiven Gefallen daran – sie suchen die Bedeutungen von banalen Dingen wie «Ar***geige», «halt die Fresse!», «jemandem die Fresse polieren» oder «Wich***».

Ganz beliebt ist auch die DUDEN-Definition von «Dil**» und «Erek***».

*

So einen brauchbaren Übersetzer immer nur für dieselben einfallslosen Suchaktionen zu benutzen finde ich ja wirklich «unter aller Sau». Da sollte man doch mal Langenscheidt darum bitten, einige jugendfreie Versionen einzig und allein für den Schulgebrauch herauszubringen, obwohl es mich im Grunde nicht stören sollte.

Ich übernehme schliesslich keinerlei Haftung für den Gebrauch dieser «bösen» Wörter in diversen fremdsprachigen Texten und anschliessend die unangenehmen Kommentare der Lehrer.

22.1.08 18:18


Gelb, aber ahnungslos

Meine äusserst liebe Kameradin erschien heute mit erschreckend gelbem Teint in der Schule, was ihr viele verwunderte Blicke und die Frage, ob sie denn gelbsüchtig sei, einbrachte. Provokativerweise meldete sie sich heute auch ungewöhnlich oft mit hoch erhobener Hand, die am meisten Farbe abbekommen hatte – leider blieb der gewünschte Effekt aus, und kein Lehrer fragte sich nach dem Grund für diese gelbliche Tönung, geschweige denn, dass sie einer wegen der Verfärbung nach Hause schickte. Es bedarf im Grunde gar keiner Nachfrage oder sonstiger Massnahme, denn ihre einzigartige Hautfarbe rührt nur daher, dass ihr Bruder ihr angeblich aus Rache für etwas, das ich nicht ganz verstanden habe, gelbe Lebensmittelfarbe in ihre Bodylotion geschüttet hat...

Jedenfalls hatte sie heute auch noch mehr zu bieten, was den ein oder anderen wohl erschüttern wird – ich möchte klarstellen, dass das Mädel nicht so dumm ist, wie es scheint, sondern bloss ein wenig wissenstechnisch hinterherhinkt. Sie macht halt lieber Onlinetests wie «Die Aura welcher Frucht hast du?» und schaut sich im Fernsehen «Date My Mom» an, anstatt sich über das Weltgeschehen aufklären zu lassen und ihr Allgemeinwissen zu erweitern.

*

In einer Pause fand auf dem Gang eine kleine Debatte über den Quotenknüller namens «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» statt, wobei die TrashTV-Geniesser deutlich in der Minderheit waren und sie sich selbstverständlich als Verstärkung dazugesellen musste.

Also unterbrach sie urplötzlich all die «Ich will doch nicht verblöden!» - Persönlichkeiten , darunter auch Mr. Ich- widerspreche- allen mit ihrem Geschreie:

Sie: «Ihr seid SOOOO DOOF!! Und ihr könnt auch nicht sagen, dass das BLÖD ist, WEIL DAS GUCKEN SICH UNENDLICH VIELE LEUTE AN, und SO BLÖD SIND DIE LEUTE NICHT. Und wenn ihr sagt, dass DIE LEUTE, die das gucken, BLÖD SIND, dann findet ihr mich BLÖD!»
Mr.I-W-A: «Du bist ja auch blöd.»
Sie: «ACH, SCHNAUZE, ihr habt keine Ahnung! Aber nee, um die Zeit pennt ihr schon, das könnt ihr gar nicht gucken... ODER NEE; die Hälfte von euch hat ja gar keinen Fernseher zu Hause, ne? Jaaah, kein Wunder, ihr seid nur eifersüchtig. Kauft euch 'ne Kiste und werdet GLÜCKLICH!»
Mr.I-W-A: «Leider bin ich davon nicht so angetan wie du, obwohl der Rest dieser minderwertigen Bevölkerung auch so einen unsinnigen Hype darum macht.»
Sie: «ARRGG, DU NERVST, HAU AB, DAS GUCKEN SICH ÜBER 50 MILLIONEN LEUTE AN, ALSO PASS AUF WAS DU SAGST!»
Mr.I-W-A (prustet): «Tzz.. 50 Millionen...»
Sie: «AHH... (lacht) ups, auf der Welt gibts ja noch nicht mal so viele Menschen... dann halt nur 5 Millionen, aber trotzdem!»
Jemand Unwichtiges: «WIEVIELE Leute hat es bitte auf der Welt!?»
Sie: «Ehm... ja, fast 50 Millionen, nicht?»
Jemand noch Unwichtigeres: «Neeeiiinn..!? Duu, im Ernst, das sind Milliarden, nicht Millionen!»
Sie: «Ja, dann halt 50 Milliarden.. nein.. 47 Milliarden oder so... oder? (leicht verwirrt)?
Mr.I-W-A: «Auf der Welt gibt es um die sieben Milliarden Menschen, und wer nicht mal über die Weltbevölkerung aufgeklärt ist, ist für diesen Mist halt einfach wie geschaffen...»
Sie: «ACHH, HALT DIE FRESSE, ICH HASSE DICH, DU RUINIERST MIR HIER MEINE GANZE SHOW, DABEI BIN ICH HIER DIE, DIE AM MEISTEN FERNSEHER SCHAUT UND JETZT MIT UNGLAUBLICHEN ARGUMENTEN GLÄNZEN MUSS!!!»

Sie haute ihm im Vorbeigehen auf den Schädel (putzte sich daraufhin die Hände an ihrer Hose ab) und vergass das Ganze innerhalb der nächsten zwei Sekunden.

Sie mag nicht die Hellste sein, aber ihre unbeschwerte Gleichgültigkeit und diese eigenartige Art haben einfach etwas.

24.1.08 20:28


 [eine Seite weiter]