schpitza

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schPIZZA?

Ich mag Pizza, keine Frage – trotzdem wüsste ich nicht, wieso ich meinen Blog nach einem belegten Fladenbrot nennen sollte, um dann noch ein dezentes «sch» davor zu setzen...

»schpitza» bezieht sich auf die kroatische Bezeichnung «
špica». «š
pica» bezeichnet eine 'Ecke' in Zagreb, wo sich ein grosser Platz und eine Strasse kreuzen. Dort ist immer ein grosser Menschenauflauf; die Leute tummeln sich dort in den Cafes, treffen sich oder gehen sonst ihren Tätigkeiten nach. Dort ist immer 'Leben', und genau das finde ich so faszinant. Hier habe ich oft das Gefühl zu vereinsamen. Ab 20 Uhr ist keiner mehr draussen, kein Leben mehr auf den Strassen, nichts.

Ich verbinde eine Menge mit diesem Ort (allgemein mit meiner Heimatstadt), und weil mir auf Anhieb nichts Tiefsinnigeres eingefallen ist, habe ich diese Bezeichnung gewählt und sie so geschrieben, damit sie auch jeder Deutschsprachige einigermassen richtig ausspricht. (nicht etwa, dass da «spika» draus wird!)

***

Nun, worüber schreibe ich?

Wer meine zwei alten Blogs kennt / gekannt hat, der wird schnell bemerkt haben, dass dieser Blog etwas komplett Anderes geworden ist. Früher habe ich ein richtiges Online-Tagebuch geführt, worin sehr viel Persönliches enthalten war. Das hat sich jedoch auf lange Zeit nicht bewährt. Ich habe ausserdem sehr viel Zeit in das Design investiert, was reine Zeitverschwendung war. Meine Schwester war furchtbar enttäuscht, als sie zum ersten Mal dieses Blog gesehen hat. Wo denn all die Brushes, Verzierungen und Bilder seien, hat sie gefragt. Aber so ist's besser.

Im Grunde schreibe ich weiterhin sehr gerne Tagebuch, aber nicht mehr in Form eines Blogs. Auch wenn ich in meinen Online-Tagebüchern nicht sehr viele Leser gehabt habe, konnte ich nie ganz ehrlich sein. Ich habe immer einige Details weggelassen, die mir entweder peinlich oder unwichtig vorkamen. Doch nun ... wenn ich meinen alten Blog lese, dann erkenne ich mich darin nicht so wieder, wie ich mich in meinen alten Tagebucheinträgen erkenne, die ich jeden Tag mühsam von Hand in ein Notizbuch gekritzelt habe. Es ist einfach nicht dasselbe.

Hier möchte ich nur kurz einige Momente aus dem Alltag hervorheben und allen, die es interessiert, einen kleinen Einblick in meinen Alltag verschaffen. Mein Schulalltag macht mir seit Neustem ziemlich Probleme. Seit ich aufs Gymnasium (1.Jahr – 9.Schuljahr) gekommen bin, kann ich mich mit meinem Umfeld überhaupt nicht anfreunden. Ich finde sowieso das Leben hier in der Schweiz ziemlich langweilig. Aber ich habe diesen Blog nicht erschaffen, um andere mit meinen Problemen zu belästigen, weil ich damit selbst nicht klarkomme. Ich stöbere zwar gerne in den Online-Tagebüchern anderer Leute, aber ich kann das so nicht weiterführen.

Es wurde Zeit für etwas Neues.
Möglicherweise habe ich nach einem neuen Hobby gesucht, ich weiss es nicht. Nun werde ich versuchen, mindestens ein paar Mal pro Woche etwas Neues zu berichten und eine Kleinigkeit aus meinem Alltag hervorzuheben.

Ich freue mich jederzeit über Kommentare, Einträge, Kritik oder sonstige Rückmeldungen.

Ansonsten.. habe ich jetzt wirklich Lust auf eine Pizza.

6.10.07 20:31


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»Die Mama ist halt prüde..»

Besässe ich nicht eine gewisse Neugier, oder würden all die Gleichaltrigen nicht in jeden zweiten Satz «ficken» oder «wichsen» einbauen, dann wäre ich wahrscheinlich bis heute nicht aufgeklärt.

Meine Eltern haben sich nie die Mühe gemacht. Aus unbekannten Gründen ist das in unserem Haus ein komplettes Tabu-Thema. Meine Mutter hat mir auf meine Fragen als kleines Kind immer nur ganz knappe und schwammige Antworten gegeben. Heute schalten meine Eltern immer noch um, wenn in einem Film eine Kuss- und erst recht wenn eine Sexszene ausgestrahlt wird.

Dabei heisst es beispielsweise: «Mal gucken, wie das Wetter morgen ist», und schon kämpfen sie sich durch den Teletext eines ganz anderen Senders. Als ich höflich und ganz unschuldig bemerkte, sie würden das sonst nie machen, da hiess es: «Das tun wir doch jeden Abend!» Klar. Weshalb muessen sie dann minutenlang nach der richtigen Teletextseite suchen?

Oder sie werden ganz plötzlich durstig, und wollen dann, dass ich ihnen etwas hole. Und obwohl meine Mutter sonst immer nur Mineralwasser trinkt, hat sie auf einmal Spezialwünsche und verlangt sogar nach einem Strohhalm, nur um mich möglichst lange in der Küche zu behalten.
Toll. Als ob ich das nicht längst durchschaut hätte.

Als ich neulich zu meiner Mutter meinte, ich sei kein kleines Kind mehr, und in diesen Szenen würde eh nicht viel gezeigt werden, da hat sie mich bloss irritiert angeguckt und meinem Vater eigenartige Blicke zugeworfen. Danach hat sie sofort das Thema gewechselt.

...

In drei Jahren lad ich sie in 'ne Talkshow ein und behaupte dann, ich sei schwanger.

7.10.07 09:39


Feminin ist in out

Mein kleiner Cousin ist der festen Überzeugung, er sei der hässlichste Mensch auf Erden. Weiss Gott, wer ihm das eingeredet hat. Dabei ist er furchtbar niedlich und ich kenne niemandem, der das jemals bestreiten würde.

XX: «Findest du denn, dein Vater sieht gut aus?»

Er: «Weiss nicht.»
Auf den strengen Blick meiner Mutter hin fügt er schnell ein «Ja.» hinzu.

XX: «Na haben wir's doch, du siehst schliesslich genauso aus wie er!»
Er: «Hrrrm.» (Was auch immer das heissen mag.)
XX: «Wärst du denn glücklicher, wenn du mehr deiner Mutter als ihm gleichen würdest?»
Er: «Ich will nicht wie 'ne Frau aussehen.»

Spätestens wenn ihm die Mädels hinterherlaufen wird der Macho in ihm geweckt sein. Mal sehen, wer dann noch 'hässlich' ist.

7.10.07 15:44


Tantchen VOL. I

Würde man irgendwo untersuchen, ob Frauen tatsächlich schlechter fahren als Männer, dann würde SIE den unanfechtbaren Beweis liefern, dass einige Frauen wirklich nicht mit ihrem Fahrzeug umgehen können. Ein Wunder hat sie noch nie einen Unfall gebaut. Jedenfalls prüfe ich jeweils drei Mal, ob mein Gurt auch fest sitzt, wenn sie losfährt.
Und dann schafft sie es auch noch, immer jemand anderem die Schuld zu geben, wenn sie mal über den Bürgersteig rattert, eine Ampel übersieht oder sich in die falsche Kolonne einreiht.

Meine Tante ... ist und wird auch ledig bleiben, hat keine Kinder, und hat nichts als ihre Arbeit und ihre Karriere im Kopf. Sie ist relativ stur, sehr, SEHR selbstbewusst und der Überzeugung, sie sei immer die Beste und Wichtigste.

Wir sassen in ihrem Auto, auf dem Weg zu einem Shoppingcenter, wo sie uns etwas spendieren wollte. Da unsere Unterhaltung ins Stocken geraten war, schaltete sie das Radio an.

Ein Song von Avril Lavigne ertönte.

Tante: «Ah, kennst du dieses Lied, **********?»
Ich verrate euch lieber nicht, wie sie mich nett. Furchtbarer Kosename.
Ich: «Jap.»
Tante: «Das ist doch Hiphop, nicht wahr?»
Avril und Hiphop? Als ob das nicht schlimm genug waere, hat es noch so wie «Hibhob» getönt.
Ich: «Nein, das ist Metal...»
(Das war selbstverständlich ironisch gement..)
Tante: «Ah, genau, Metal, wollt ich grad sagen! Habs nur kurz vergessen.. Aber mein kleines ******** weiss ganz genau, dass das Metal ist, toll!»
Ich: «Avril ist eine Rock- und Popsängerin, und das hier ist demnach weder Hiphop noch Metal.»

Eigentlich habe ich gedacht, ich hätte ihr es damit endlich gegeben, (sie hat kurz geschwiegen), doch dann::

Tante: «Dein Tantchen hat versucht dich reinzulegen, aber mein *********** kann keiner reinlegen.... natürlich weiss ich, dass das Rock ist! Ich habe behauptet, es sei Hip-Hop und das andere, damit ich sehe, ob du den Fehler merkst!»

Klar, Tantchen, klar.

Helft mir einen fiesen Kosenamen für sie zu finden.


8.10.07 17:51


Tantchen VOL. II

Sie hatte ihren Wagen geparkt, (damit gleich zwei Parkplätze besetzt), wir stiegen aus und spazierten zum Eingang des Shoppingcenters. James Blunts «You're beautiful» ertönte aus den Lautsprechern.

Eigentlich hätte ich gedacht, sie hätte sich für heute in Sachen Musik genug blamiert, aber nein:

Tante: «Kennt ihr dieses Lied?»
Schwester: «Ja, das ist 'You're beautiful'.»
Tante: «Bravo, meine Kleine, und weisst du auch von wem das ist?»
Schwester: «James Blunt.»

Sie wendet sich meinem kleinen Cousin zu.

Tante: «Hast du auch gewusst, dass dieses Lied von James Bond ist?»
Cousin: «James BOND!?»
Tante: «Ja, du weisst doch, dieser ganz berühmte Actionheld, James Bond.»
Cousin (schon ziemlich beleidigt): «Ich weiss, wer James Bond ist!»
Schwester: «Dieses Lied ist nicht von James BOND, sondern von James BLUNT.»
Tante: «Bist du dir sicher, dass dieses Lied nicht von James Bond ist?»
Schwester: «Jaah, dieses Lied hat mit James Bond rein gar nichts zu tun.»
Tante: «Deine Tante ist sich aber sicher. Das ist bestimmt die Titelmusik zum neuen James Bond-Streifen.»
Cousin: «Nein, ist es nicht. So ein Schnulz-Knutsch-Lied kann gar nicht Bond sein, HHRR..»
(Er war kurz davor, ihr den Vogel zu zeigen, aber ich hab ihn zurückgehalten.)
Tante: «Ich bin mir ganz sicher, dass dieses Lied bestimmt irgendwo im neuen Streifen zu hören ist.»
Schwester: «Dieses Lied ist schon einige Jahre alt..»
Cousin: «Und ich hab den neuen Film GESEHEN und dieses Lied kommt nicht vor!»
Tante: «Bist du dir sicher, dass dieses Lied nicht im Film zu hören ist?»
Cousin: «JAAH.»
Tante: «Du hast ihn sicher gar nicht gesehen.»
Cousin: «Doch, klar.»

Mittlerweile hatten wir das Shoppingcenter bereits betreten, und meine Schwester hatte sich hinter ihrem Rücken kaputtgelacht. Ich konnte ein Grinsen auch nicht unterdrücken. Und dann erfand meine Tante die bedeppertste Ausrede, die ich jemals in meinem Leben hören durfte:

»Ich muss noch schnell Tomaten kaufen, wartet hier auf mich.»

Tomaten? TOMATEN!?

Sie kam nach 10 Minuten zurück, mit einem Sack in der Hand, in dem unmöglich TOMATEN sein konnten. Es war ein Shampoo, für das sie umgerechnet 50 Euro bezahlt hatte.

Eigentlich wollte ich sie ja noch fragen, wo denn nun die Tomaten seien, aber sie hatte sich an diesem Tag schon genug Peinlichkeiten geleistet.

9.10.07 19:00


Kreditkartenfalle mal anders

Jedes Mal, aber wirklich JEDES MAL, wenn wir auf unserer Ferienreise mit dem Auto Italien durchqueren, gibt es Streit zwischen meinem Eltern – so auch auf dieser Heimfahrt. Natürlich sind die beiden wegen der 12-stündigen Autofahrt die ganze Zeit über reizbar, aber die grösste Nervosität stellt sich ein, wenn wir uns einer Autobahngebühr-Station (was für ein schreckliches Wort) nähern.

Meine Mutter auf dem Beifahrersitz weist meinen Vater immer an, in welche Kolonne er sich einreihen soll, während er die ganze Zeit rumschreit, er könne da doch nicht hin. Ob sie denn Augen im Kopf habe, da hiesse es doch «TELEPASS».

Jedenfalls entrichtet er die Gebühr immer mit der Kreditkarte. Dabei nimmt SIE die Karte jedes Mal hervor und reicht sie ihm. Er weiss jedoch nie, in welche Richtung und wie genau er die Karte in den Schlitz stecken muss. Deshalb versucht sie ihm die Karte immer genauso zu reichen, dass er sie nur noch schön gerade einzustecken braucht, ohne sie zu wenden oder nochmals umzudrehen.

Und trotzdem; er schafft es trotzdem jedes Mal, die Karte wieder falsch herum einzuführen, so dass der Automat sie wieder ausspuckt und ihm der Schweiss die Stirn runterläuft, weil, OH GOTT, die Leute in den Autos hinter ihm ja warten müssen. (Ja keinen schlechten Eindruck hinterlassen oder negativ auffallen..)

Es geht meist 'ne Weile, bis sich die Schranke öffnet und es wieder «Arrividerci» aus dem Automaten dröhnt. Und dann fängt das Gezanke wieder an, da angeblich sie wieder schuld sei, da sie ihm die Karte falsch gereicht habe.

Männer.

10.10.07 18:21


»Zuerst die Pasta und basta..»

Mittag.
Es gibt Kalbsschnitzel, als Beilage dazu Pasta und SPINAT.
Ich kann zwar Spinat essen, aber sonderlich mögen tue ich ihn ganz sicher nicht.
Ich habe jedoch die Angewohnheit, auf dem Teller immer zuerst das zu essen, was ich nicht sonderlich mag, ganz nach dem Motto «das Beste zum Schluss». Ist auch viel schöner, wenn mir der Pastageschmack im Mund bleibt, und nicht, dass mein Atem im Nachhinein nach Spinat riecht. (Ich habe noch nie Spinatatem gerochen, aber das muss fürchterlich sein.)

Jedenfalls lasse ich das Fleisch und die Teigwaren unberührt und esse schön brav den Spinat auf. Ich will mich gerade über die Pasta und das Fleisch machen, als meine Mutter schon mit dem Topf angetanzt kommt.

Mutter: «Willst du noch Spinat?»
Ich: «Nein, danke.»
Mutter: «Wieso denn nicht?»
Ich: «Weil-«

PLATSCH. Sie hat mir die nächste Portion auf den Teller geklatscht.

Ich: «Ich hab gesagt, dass ich keinen Spinat mehr will!»

Ich beginne den Spinat auf den Teller meines Vaters zu löffeln.

Ich (zu meinem Vater): «Du kannst ihn essen.»
Vater: «Wieso willst du keinen Spinat?»
Mutter: «Ja, genau, wieso willst du keinen?»
Ich: «Ich hab ja schon welchen gegessen...»
Mutter: «Schmeckt dir die Pasta nicht?»
Ich: «Doch, klar!»
Mutter: «Wieso hast du sie dann noch nicht angerührt?»
Ich: «Weil ich zuerst den Spinat und das Fleisch-«

Mutter greift schon nach dem nächsten Topf.

Mutter: «Willst du vielleicht noch Fleisch?»
Ich: «Nein!!»
Vater (mit vollem Mund): «Komm, güb die Basta mia, wenn d se nich essn wills.»

Er beginnt mit seiner Gabel in meinem Teller rumzustochern.

Ich: «NEIN!! Kann ich denn nicht in Ruhe noch den Rest aufessen?»
Mutter: «Hast du das denn gern? Schmeckts überhaupt?»
Ich: «Natürlich hab ich das gern. Ich liebe Pasta, das weisst du auch!»
Mutter: «Wieso hast du das dann übriggelassen?»
Ich: «Hab ich irgendwas übriggelassen? Ich bin noch am ESSEN!»
Mutter: «Wieso hast du dann zuerst den Spinat und das Fleisch gegessen?»
Ich: «Ich esse zuerst das Eklige, und das Beste kommt zum Schluss.»
Mutter: «Du findest Spinat also eklig?»
Ich: «Nein, nicht eklig, aber das andere ist halt feiner.»
Mutter: «Wenns dir nicht passt, kannst du gerne aufstehen! Ich geb mir den ganzen Morgen Mühe und dann wird mir so gedankt!»
Ich: «Hab ich irgendwas gesagt? Nein!»

Mutter:
«Wieso isst du zuerst das 'Eklige'?»
Ich: «Dann hab ich das Schlimme hinter mir, und das kann ich das Gute geniessen.»
Mutter: «Ich ess immer zuerst das Beste, den Rest würd ich gar nicht essen!»
Ich: «Ich weiss, dass du beleidigt wärst, wenn ich den Rest nicht essen würde.»
Mutter: «Ich bin also beleidigt, ja?»
Ich: «Nein, du bist nicht beleidigt, aber du WÄRST-«
Mutter: «Wirklich, ihr seid wirrkkklliiiccchh undankbar, alle zusammen.»

Sie trägt ihren Teller in die Küche und beginnt abzuwaschen..

Ich: «Was hab ich denn jetzt-«
Vater: «Jetzt iss einfach und sei still..»

Die Leute drehen mir immer die Worte im Mund um. Ich weiss gar nicht mehr, was ich überhaupt noch sagen darf. Ab Montag ess ich in der Schule wieder jeden Tag in der Kantine und bekomme meine Familie nur noch selten zu Gesicht. Und dann endet ein so rares Mittagessen in einem kleinen Fiasko, und meine Mutter hat den ganzen Tag schlechte Laune.

Aber der Spinat war wirklich eklig.
11.10.07 17:26


Schön.

Sie: »Und das?»
Ich: »Schön.»
Sie: »Das?»
Ich: »Schön.»
Sie: »Es können nicht alle schön sein! Du lügst, nur damit wir schneller fertig sind! Von neu!»

Meine Cousine* hat so ca. alle 2 Monate im Jahr eine «Ich-brauche-neue-tolle-Fotos»-Attacke, wo sie sich in ihrem Zimmer einschliesst und hunderte von Bildern von sich knipst. Heute war es wieder soweit. Die Hälfte dieser Bilder löscht sie gleich im Voraus, die anderen (knapp 100) muss ich mir ansehen. (Ich weiss zwar nicht, woher jemand die Geduld nimmt, insgesamt fast 200 Fotos von sich zu machen, aber egal. 20 aufeinanderfolgende Fotos sehen im Nachhinein eh fast gleich aus, wenn sie mal eine Pose eingenommen hat und diese nicht ändert.)

Jedenfalls muss ich diese Fotos anschliessend bewerten, und zwar mit «schön», «süss», «okay» oder «hässlich». Natürlich will ich das schnell hinter mir haben, aber theoretisch KÖNNTE ich ja jedes Foto WUNDERSCHÖN finden. Aber das zieht sie ja nicht in Betracht...
Ausserdem nimmt sie die Arbeit doch sowieso immer wieder selbst in die Hand.

Ich: »Schön.»
Sie: »Nein, das ist voll hässlich. Löschen.»
Ich: »Was fragst du mich dann überhaupt, wenn du sowieso 'ne eigene Meinung dazu hast? Lösch es nicht, du siehst drauf süss aus. Und das andere ist auch schön.»
Sie: »Ich könnt kotzen.»
Ich: «Kotz doch. Aber nimm deine Bilder mit.»

Und dann lieg ich sicher morgen Abend genervt im Bett und frage mich, für was die ganze Ferienzeit draufgegangen ist...

*
Verwandschaftsbeziehung aus persönlichen Gründen geändert

13.10.07 13:31


Kirchengehiphoppe

Wie jeden Sonntag waren wir auch heute in der Kirche.
Die Predigt war todlangweilig (der Pfarrer hat sich mal wieder selbst übertroffen... Mit der Zeit gehen ihm wirklich die Ideen aus) und vor mir sass eine Frau, die ununterbrochen gehustet hat.
Gut, es ist kein Verbrechen zu husten, aber sie hat sich beim Aufstehen jedes Mal ihre Jeans hinaufgezogen und dabei mit ihren Arschbacken hin und her gewackelt. Die Jeans sass so eng, dass ich echt schon befürchtete, die würde aus allen Nähten platzen, wenn sie nur einen Schritt machen würde.

Ist das nicht beschämend für eine Frau Ende dreissig? Sich so aufzutakeln für die KIRCHE?

Na ja, die ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Jetzt, wo ich die Leute sogar dabei erwische, wie sie heimlich SMS tippen und Kaugummis unter die Bänke kleben.

*

Eine Erheiterung gab es dann doch noch, als Kinder ihre selbstgeschriebenen Fürbitten vorgelesen haben. Ich hatte zwar grosse Zweifel, dass die Kinder die selber erfunden hatten, da 10-jährige solche Sätze nicht zu Stande kriegen. (Sie schaffen es ja kaum, sie richtig vorzulesen). Sollen das wirklich ihre eigenen Anliegen sein?

Dann aber trat ein kleiner Knirps nach vorne, ging hinter das Pult, stellte sich auf Zehenspitzen um ans Mikrofon ranzukommen und las:

»Lieber—GOTT!-Die- Kirche- isssst- ja- ganz--- okay,- aber- die-Musik- ist... *PAUSE* . *MURMELN* .. kannst- du- nicht- neeueeee- liiiiiieder- ma- chen?»

Die Leute sassen teilweise regungslos da, einige haben gegrinst, einige sind losgeprustet, man ein «..erhöre uns.» vernommen und es ging weiter. Ich habe ja schon bereits von solchen Bitten gehört, aber diese einmal LIVE so serviert zu bekommen.. das ist köstlich. Und der Gesichtsausdruck des Pfarrers – der war unbezahlbar.

Ich hab den Kleinen später gefragt, was er sich denn für Lieder wünschen würde. Na welche wohl: «So Hiphop Lieder oder so»

Aber..

«Yo Mann, du bist so gnädig, einfach der Geilste, der Coolste, oh yeah, oh Herr...»

.. das tönt doch auch nicht so besonders, oder?


14.10.07 14:56


Kaffee mit 'starkem Körper'

Dass nach drei Wochen Ferien die meisten mit den Gedanken noch ganz woanders sind, das ist mir klar. Aber dass jemand anscheinend seinen ganzen Verstand irgendwo gelassen hat, ist auf jeden Fall riskant und sehr, SEHR verantwortungslos...

Biologie. Ich sitze hinter zwei Kameradinnen; wir sollen ein Protokoll schreiben. Sie fangen an zu flüstern.

X: «Hey, kennst du diese Nespresso Werbung?»
Y: «Diese wo zwei Frauen Kaffee trinken-«
X: «Da wo der Mann da Kaffee nimmt und die Frauen reden was und dann kommt er zu ihnen-«
Y: «Ja, die kenn ich.»
X: «Die ist voll behindert.»
Y: «Wer?»
X: «Die Werbung.»
Y: «Ja, schon. Aber du findeset ja alle Werbungen behindert.. Auch die One-Touch und-»

X: «Ich kenne keine Frau, die so über Kaffee reden würde, aber ja.. ist ja eben eine Werbung.»

Y: «Was sagt sie schon wieder?»

X: «'Stark' und 'dunkel' und blabla.. voll das Gesülze...»

Y: «Hmm..»

X: «Dann macht die einen auf 'philosophisch', von wegen 'starker Körper' oder so..»
Y: «Jetzt mach dieses Protokoll, ich will nicht über Werbung reden..»
X: «Und dann kommt dieser Mann und fragt sie, ob sie über Nespresso reden. Kommt zu dir einfach so ein Mann und fragt, ob du über irgendwas redest? Ein Mann, den du nicht kennst?»

Ich: «Das ist kein Mann, das ist George Clooney.»

Beide drehen sich zu mir um.

X: «Was?»
Ich: «Der 'Mann da' ist George Clooney.»
X: «Aahh, warte, den kenn ich!»
Y: «Wen?»
X: «Er singt bei...bei...»
Ich: «Er ist ein Schauspieler.»
X: «Ah, dann hab ich ihn verwechselt.. Ups..Ja, ja, ich weiss jetzt welcher, hab ich aber gar nicht bemerkt, er sieht da VOLL anders aus.»
Ich: «Hm, nicht unbedingt. Er sieht aus wie ... immer halt.»
X: «Egal, die Werbung ist trotzdem behindert, egal wer da mitspielt.»
Ich: «Findest du George Clooney denn nicht attraktiv?»
X: «Was? Nee, so 'nen alten Fur-«
Ich: «Tjaa, es gibt viele Frauen, die himmeln ihn an, und ich finde auch nicht, dass er schlecht aussieht.»

X wirft Y vielsagende Blicke zu. Dass mich jemand für bescheuert hält, weil ich George Clooney attraktiv finde.. das hätte ich nicht gedacht.

Ich: «Und die Frauen, die reden die ganze Zeit über IHN, und nicht über Nespresso.»

X guckt mich geschockt an. Sie schweigt eine Weile, dann beginnt sie zu grinsen.

X: «Er ist aber weiss, und sie sagen 'dunkel'.»

Ich: «Dunkel heisst nicht zwingend 'dunkelhäutig'. Die Werbung ist aber gar nicht so schlecht, hat zumindest einen gewissen Witz. Gut, nach x-mal ansehen wird das auch langweilig, aber es gibt weitaus schlimmere..»

Y hat sich schon der Arbeit zugewendet, X guckt mich entgeistert an.

X: «Die Werbung ist trotzdem behindert.»

Die Diskussion war sowieso sinnlos. Dann finden sie die Werbung eben 'behindert'. Aber für mich war das eine sehr nützliche Erfahrung – es gibt tatsächlich weibliche Wesen auf dieser Welt, die nichts von George Clooney halten. Wer hätte das gedacht..?

Glaubt mir – hätte ich diese Diskussion SO live nicht miterlebt, dann hätte ich das nicht geglaubt. Da frage ich mich echt, wo ich denn hier gelandet bin!? Es ist eine Sache, George Clooney nicht zu kennen, aber es ist eine andere Sache, den Sinn einer so simplen Werbung nicht zu verstehen.

DAS ist der ultimative Beweis dafür, dass RTL doch zur Allgemeinbildung beiträgt!

Das reib ich meinem Vater das nächste mal unter die Nase, wenn er wieder auf EUROSPORT umschaltet.

15.10.07 21:15


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